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Under the black sun - Bernau - 3.-4.7.2009

Mit dem „Under the black sun“ Festival hat sich in der Nähe von Berlin ein schwarzmetallisches Traditionsfestival etabliert, durch und durch Underground, mit niedrigen Essens, Getränk- und Merchpreisen. Die Anreise ist ohne Auto zwar ein bisschen beschwerlich, ansonsten ist das Festival aber recht fanfreundlich gestaltet. Da trägt auch das tolle Festivalgelände zu bei, das auf einer kleinen Waldlichtung liegt, die Teil eines Reiterhofes ist, auf dem das Campingareal untergebracht ist. Eine recht umfangreiche Standmeile lädt zum Bummeln ein, das angebotene Programm ist recht preiswert, zudem findet man schon die eine oder andere Perle. Leider wird das Festival an dieser Stelle seinem leicht angebräunten Ruf gerecht: Der NSBM wird einem regelrecht hinterher geschmissen. Und wenn ich schon mal bei meinem Lieblings-Motz-Thema bin: So viele einschlägige T-Shirts hab ich noch nie auf einem Haufen gesehen. Da kommt einem das große „Keep your fuckin’ politics out of Metal“ -Banner auf der Myspace-Seite doch ziemlich höhnisch vor. Naja, von solchen Schnarchnasen lass ich mir den Spaß an der Musik jedenfalls nicht verderben.

Freitag:

Thorngoth: Es ist schon erstaunlich, wie viel Verspätung man als zweite Band des Tages haben kann. Ein kurzzeitiger Stromausfall, bei dem auch gleich noch ein kleiner Teil der Bühnenbeleuchtung aufgeraucht wird, unterbricht den Gig. THORNGOTH sind dementsprechend mies drauf, können diese an sich  blackmetallische Stimmung aber nicht so recht umsetzen. Der Publikumszuspruch hält sich dementsprechend auch in Grenzen.

Paragon Belial: So richtig auf die Tube drücken PARAGON BELIAL auch nicht. Die Band ist zwar unbestreitbar recht professionell, die stark von Venom und Celtic Frost beeinflusste Musik ist aber nicht interessant genug, um auf diesem Festival nachhaltig beeindrucken zu können. So steigern sich die Publikumsreaktionen auch nur langsam. Das kann man Black Metal nennen, ich nenne es langweilig.

The One: Der Ersatz für Livelover, die leider kurzfristig abgesagt haben, könnte passender kaum sein. Das heißt nicht etwa, dass THE ONE Livelover ersetzen können, dafür sind sie der erste Höhepunkt des Tages. Die Kompositionen der Griechen sind abwechslungsreich und setzen atmosphärische Akzente, die einen kaum kalt lassen können. Schade nur, dass der Gig auf einmal vorbei ist. Für mein Verständnis ziemlich kurz, vor allem, da andere Bands ihre offizielle Spieldauer eher mal locker sehen.

Elite: Nach dem andächtige Zuhören folgt nun der Paukenschlag, der ein ziemlich großes Publikum augenblicklich zur Raserei treibt. ELITE zelebrieren trotz ihres Namens ultrasimplen Black Metal, zu dem sich super die Matte kreisen lässt, einfach und eingängig. It’s just Black Metal, but we like it!

Die Veranstalter haben TROLL anscheinend irgendwie verloren. Der Auftritt entfällt, weil die Veranstalter keine Kontaktmöglichkeit zur Band haben. Ob die Band inzwischen wieder aufgetaucht ist? Vielleicht drehen die ja jetzt irgendwo in Berlin ihre Kreise, bis der Sprit alle ist…

Urfaust: Die Zwei-Mann-Band hat von Anfang an einen schweren Stand: Die Zeit ist schon weit fortgeschritten, viele Besucher müde. Da bietet sich das langsame, ambientlastige Material von URFAUST als Einschlafmusik an. In der Folge treten immer mehr Besucher den Weg zum Zelt an. Der Auftritt ist an sich sehr atmosphärisch und der (leider nicht immer saubere) Cleangesang eine schöne Abwechslung, aber es ist schwierig, die Meute noch einmal zu motivieren. Schade.

Samstag:

Gheestenland: GHEESTENLAND haben das Pech, ihren Start dank eines Platzregens mal eben eine Stunde nach hinten schieben zu dürfen. Das macht aber bei den beim „Under the black sun“ gängigen Verspätungen kein Riesenverlust. Die Menge vor der Bühne ist relativ überschaubar und die Reaktionen halten sich berechtigterweise in überschaubaren Grenzen.

Somrak: Als SOMRAK die Bühne entern, füllt sich das Gelände langsam wieder. Das mag aber kaum an der Band liegen, denn die Blicke des Publikums sind doch eher neugierig als wirklich begeistert. SOMRAK zieht einen routinierten Auftritt durch, der sein Publikum findet.

Darkmoon Warrior: Auch DARKMOON WARRIOR scheinen nur einem eingeweihten Teil des Publikums bekannt zu sein. Allerdings überzeugt die Band sofort. Grund dafür ist weniger der verhältnismäßig große Bühnenaufbau, sondern in aller erster Linie ihr abwechslungsreiches Material, das auch in Midtempo- und Doomparts zu überzeugen weiß und trotz aller Kälte recht eingängig daherkommt. So werden DARKMOON WARRIOR heute auch einige Fans dazu gewonnen haben. Einer der Höhepunkte des Festivals.

May Result: Die Serben von MAY RESULT mögen hier nur eine Anheizerband sein, in ihrer Heimat sind sie eine ziemlich große Nummer. Dementsprechend haben sie auch ein komplett anderes Bühnenverhalten und gehen hier vermutlich als kommunikativste Band des Festivals durch. Die Musik weiß durchaus zu gefallen, und die Reaktionen sind zum Ende des Gigs positiv.

Darkened Nocturn Slauthercult: Nun wird es richtig voll vor der Bühne. DARKENED NOCTURN SLAUTHERCULT ziehen die Leute, und sie machen auch sonst alles richtig. Die Show mag klischeehaft und auch nicht gerade außergewöhnlich sein, Fakt ist, dass sie wirkt. Das Publikum geht komplett steil, und statt verschränkter Arme und starrem Blick sieht man überall fliegende Matten.

Nehemah: Gegen die Übermacht von Darkened Nocturn Slauthercult anzustinken, ist diesmal sicherlich keine leichte Aufgabe. NEHEMAH können für sich in Anspruch nehmen, diese schwere Position würdig gemeistert zu haben. Die Kuttenträger zelebrieren vom ersten Moment an hohe Kunst, die Stimmung ist so finster wie der Nachthimmel und der Wald zum uns herum. NEHEMAH sind eindeutig die Band mit der intensivsten Atmosphäre des Festivals.

Darkspace: Klar, dass DARKSPACE da nicht mithalten können, aber kaum jemand hätte erwartet, dass der Gig so enttäuschend ausfällt. Sicher, es ist mal wieder ziemlich spät, bevor der Gig überhaupt startet, und das Publikum ist müde, und ähnlich wie bei Urfaust macht die Musik auch nicht wirklich wach. Andererseits ist die Show auch einfach nur blutleer. Man könnte auch Roboter auf die Bühne stellen, es würde keinen Unterschied machen. Wirklich schade, da wäre sicherlich mehr drin gewesen.

Fazit: Ein schönes Festival in einer tollen Location. Noch etwas mehr Fingerspitzengefühl bei der Zusammenstellung der Running Order und eine härtere Hand gegen die Verbreiter von eklig braunem geistigem Dünnpfiff, dann käme man dem Schwarzmetallparadies für mein Verständnis schon sehr nah.

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