Werbung:
grunge
    CD-Reviews      Konzert-Reviews      Interviews      Visions      Tourdaten      Metal-Videos
news


Sunn (((O))) - Berlin - 24.5.2009

Es gibt gewisse Dinge, die sind einfach kaum zu beschreiben. Eine Frau wird einem Mann niemals erklären können, wie es ist, ein Kind zu bekommen. Jemand, der eine Paranoia hat, wird niemals jemand anderem erklären können, wie sich diese Angst anfühlt. Und auch die Wirkung von Drogen lässt sich jemandem, der es nie selbst probiert hat, kaum beschreiben. Es gibt noch Dutzende Beispiele dieser Art. Und auch ein Konzert der Drone Doomer SUNN (((O))) gehört zu den Erfahrungen, die man selbst gemacht haben muss. Ich werde kaum in Worte fassen können, was ich im Prater erlebt habe, aber ich hoffe, zumindest die Neugier auf dieses Erlebnis anfachen zu können, denn es ist meiner Meinung nach einfach nur empfehlenswert, sich auf diese Verrücktheit mal einzulassen.

Aus rein sachlicher Sicht passiert folgendes: Nachdem das Publikum mit Ambient Musik eingestimmt ist, kommen die beiden in Mönchskutten gewandeten Gitarristen auf die Bühne und reihen ca. zwei Stunden lang ein paar Akkorde aneinander, bei denen sie mit Effekten und Rückkopplungen umherspielen und sich den größten Teil der Zeit in Nebel einhüllen lassen. Auf der Bühne passiert nicht so wahnsinnig viel, es ist der Sound, der die Wirkung ausmacht. Der ist einerseits richtig laut. Versucht nicht, eure Anlagen so weit aufzudrehen, denn die Anlage wird es kaum hinbekommen, und wenn doch, dann bekommt ihr groben Ärger mit euren Nachbarn. Ohrenschützer sind ans Publikum verteilt worden, doch sie können den Pegel kaum auf das Level von sehr lauten Metalkonzerten (Motörhead, Sepultura) abdämpfen. Diese Wirkung wird von der enormen Basslastigkeit des Sounds, der aus vier Gitarrenverstärkern und vier Bassverstärkern kommt, noch auf ein irrwitziges Level verstärkt. Die Folge: Man hört diesen Sound nicht nur, man spürt ihn in jeder Faser seines Körpers, der Körper vibriert, mal stärker, mal schwächer, Wellen umspülen einen und reißen einen mit, manchmal ganz, doch manchmal konzentrieren sich die Frequenzen auch auf bestimmte Körperteile. Dann wird es extrem, wo es vorher gekribbelt hat, vibriert es stärker und beginnt, weh zu tun. Man hält die Hand schützend vor die betroffene Stelle, doch es bewirkt nichts, der Schmerz wird stärker, bis der Akkord gewechselt wird und die Rückkopplung, die nur in den tiefsten Frequenzen stattfindet, abbricht. In diesem Moment will man die Vibration wiederhaben, man will den Schmerz wiederhaben, wie eine Droge, die man plötzlich absetzt. Widersprüchlichste Emotionen fahren durch den Körper, Glück, Leichtigkeit, Finsternis, Freude, Trauer und auch vieles, was man mit Worten nicht beschreiben kann, einem beschränkten, schwachen Medium, das für solche Tiefen einfach nicht geschaffen ist. Die Zeit scheint stehengeblieben, wir sitzen schon eine Ewigkeit, und eine weitere könnten wir hier sitzen, ohne es zu bemerken, ein Ausweg aus unserer schnelllebigen Welt, die ganz weit weg scheint, gar nicht mehr existent. Kaum jemand im Publikum kann sich dem Schall entziehen, man ist wie in Trance, man bewegt sich nur unbewusst, will alles in sich aufnehmen. Niemand sagt etwas, denn selbst wenn man die wahnsinnige Geräuschkulisse übertönen könnte, niemals waren Worte so sehr Schall und Rauch wie in diesem Moment. Nichts ist wichtig, nur dieser Moment, diese Ewigkeit, diese intensiven zwei Stunden.

Fazit: Schaut es euch selbst an!!!

Ehrliche Userwertung:
(Wie findest du Sunn (((O))) ?)
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (1 votes, average: 5 out of 5)
Loading ... Loading ...

Sunn (((O))) im Netz

Kommentare







grunge