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Subway to Sally - Berlin - 28.4.2009

Es ist doch verwunderlich, dass das Huxleys schon fast wieder aus allen Nähten platzt, nur weil Subway to Sally mal wieder vorbei kommen. Ich meine, okay, sie haben einen Haufen tolle Songs, ja, sie sind eine der geilsten Livebands überhaupt, und überhaupt, man KANN doch gar nix gegen die Truppe haben, aber mal ehrlich, sehen tut man die hier doch dauernd. Das letzte Konzert in Potsdam ist noch nicht mal ein halbes Jahr her. Gut dazwischen liegt ein neues Album, dennoch ist der heftige Andrang doch recht beeindruckend. Nebenbei wette ich meinen Bart darauf, dass ich über Subway to Sally auch nicht das letzte Mal in diesem Jahr berichten werde.

Ein weiteres Mal kann man die Fanfreundlichkeit von Subway + Vorband am T-Shirt-Stand beobachten. T-Shirts kosten bei Subway to Sally 20€, CD’s(auch Doppel-CD’s) 15€, die Vorband Mono Inc. unterbietet beide Preise.

Wenn wir schon mal beim Thema MONO INC. sind: Subway to Sally hatten auch schon bessere Vorbands dabei. Man denke nur an das Chaos auf hohem Niveau von Coppelius. Dagegen können MONO INC. mit ihrem soliden, aber nur mäßig interessanten Gothic Rock nicht mal annähernd anstinken. Die Songs sind leider nur blanke Durchschnittsware, die Bühnenshow will ich jetzt mal Geschmackssache nennen, die Bühnenansagen eher weniger unterhaltsam(als der Sänger von Subway to Sally als „Lebende Legende, die schon so viele Platten veröffentlicht hätte“ zu schwärmen beginnt, könnte man meinen, er redet von Urgesteinen des Rock à la Rolling Stones oder Led Zeppelin). Lediglich die Drummerin vermag in ihrem kurzen Solo noch Akzente zu setzen. Die Band schafft es trotzdem, zumindest etwas Stimmung zu entfachen, womit sie ihren Job als Anheizer erfüllt hat. Dennoch: Das Gothic Rock Genre hat sich festgefahren, und diese Truppe holt den Karren auch nicht aus dem Schlamm.

Im Gegensatz dazu haben SUBWAY TO SALLY sich schon das eine oder andere Mal neu erfunden, und die neue Platte „Kreuzfeuer“ könnte sich als Weg aus der Sackgasse des Durchschnittsrock erweisen, den man mit „Bastard“ eingeschlagen hatte. Die Setlist wird also zwangsläufig einige überraschende Momente beinhalten. Der erste kommt gleich zu Anfang. SUBWAY TO SALLY starten mit dem Schmachtfetzen „Komm in meinen Schlaf“ – und legen damit einen sauberen Fehlstart hin. Das Publikum scheint eher damit beschäftigt zu sein, sich zu fragen, was das jetzt soll, als dass es wirklich mitmacht. Da kann auch das nachgelegte „Aufstieg“ nicht mehr viel retten. Hier gibt es allerdings einen echten Schockmoment: Einer der Flammenwerfer am Bühnenrand verselbstständigt sich und lodert vor sich hin. Die Security versucht, an den Brandherd heranzukommen, was sich aber aufgrund des hohen Bühnenaufbaus als nicht ganz einfach herausstellt. Sänger Eric Fish sieht zu, dass er mit einem Feuerlöscher dem Brand beikommen kann, was letztendlich auch gelingt. Dennoch scheint der Schreck, den Eric davongetragen hat, recht nachhaltig zu sein, jedenfalls ist er für den Rest des Konzertes ziemlich durch den Wind. Regelmäßig vergisst er Textzeilen, singt teilweise für seine Verhältnisse eher grenzwertig und wirkt doch reichlich überfordert. Dankenswerterweise schmälert das den Wert der Show kaum, denn so menschlich, so sehr über seine Rolle hinausgewachsen als echter Charakter, zu dem halt auch Schwächen gehören, sieht man Eric selten. So steht er auch mehr denn je im Mittelpunkt, und als er am Ende vom besten Berlinkonzert aller Zeiten spricht, glaubt man ihm, dass er das wirklich so empfindet. Ob man das selbst auch so sieht, sei jetzt mal dahingestellt.

Die Setlist wirkt vor diesem Hintergrund auch eher nebensächlich, es seien trotzdem ein paar Worte dazu verloren. Das Gesamtprogramm ist eine Mischung aus der Weihnachtssetlist und ein paar Songs des neuen Albums, dazu mit „Eisblumen“ noch ein Überbleibsel von der „Bastard“ Tour. Alles in allem eine durchaus reizvolle Mischung, vor allem, da man den neuen Songs durchaus ein starkes Livepotential bescheinigen kann. Da man den Veitstanz jedoch sehr früh verbräht, geht dem Set im Zugabeblock ein wenig die Luft aus. Das live überraschend starke „Vater“ als Rausschmeißer entschädigt aber für vieles.

Fazit: Bekanntermaßen verleihen Fehler einem Menschen erst Charakter, genau deshalb rennen so viele interessante Charaktere auf dieser Welt rum. Und genau deshalb war es diesmal ein sehr schönes Konzert. Es hätte nämlich auch eines von vielen werden können. Was wir daraus lernen: Eine große Show ist zwar eine schöne Sache, richtig spannend wird es aber erst, wenn die Show sich selbstständig macht.Insofern wünsche ich mir von Subway to Sally wie auch von vielen anderen Bands, die aktuell so durch die Gegend touren etwas Spontanität.

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