

Als ob es nicht reichen würde, dass die Dauerdepressionisten Shining mal wieder unsere Bühnen entern, zu allem Überfluss sind auch noch Koldbrann dabei. Und dann hat man auch noch mit Sakrom einen genauso starken wie passenden Opener dabei. Kein Wunder, dass die Berliner Schwarzmetaller schon seit Wochen am Rad drehen. So ist das K17 auch trotz der Tatsache, dass das Konzert mitten in der Woche stattfindet, ganz gut gefüllt. Am T-Shirtstand ist viel los, woran die black-metal-typisch doch sehr niedrigen Preise sicherlich ihren Anteil haben. Wobei vor allem Koldbrann ihre Lager doch mit einer gewissen Sorgfalt leer geräumt haben, während Shining nur mit einem einzigen Shirt am Start sind. Das ändert aber nichts daran, dass alle drei Bands ihr Merch ganz gut los werden.
Als SAKROM lange nach offiziellem Beginn ihre Show eröffnen, erwischen sie einen reichlich zähen Start. Obwohl der Sound glasklar ist, will das Publikum nicht so recht mitgehen. Der Grund liegt in den anfangs doch recht statischen und abwechslungslosen Songs der Band. Der Fronter ist mit den Publikumsreaktionen nicht so recht zufrieden und versucht die Menge immer wieder zum Mitmachen zu animieren. Der Erfolg ist mäßig, obwohl das Songmaterial im Laufe des Gigs rapide stärker wird und einige wirklich atmosphärische Momente entwickelt, gelegentlich aber auch zum mitbangen anregt. Gigs als Opener sind halt wie Sprints: Versaust du den Start, ist eigentlich nicht mehr viel zu holen. Schade, denn es wäre sicherlich viel zu holen gewesen.
KOLDBRANN sind da schon ein ganz anderes Kaliber. Die Publikumsreaktionen sind von Anfang an stark, und die Songs brauchen nicht besonders lange, um ihre ganze Pracht und Wirkung zu entfalten. Unverständlicherweise ziehen trotzdem viele Shining Fans ab. Denen gehen KOLDBRANN ganz offensichtlich zu straight nach vorne. Äußerst schade, denn eine bessere Gelegenheit, den Nacken an seine Grenzen zu bringen und dabei die Matte im ganzen Club zu verteilen, wird es heute nicht mehr geben. KOLDBRANN spielen großartig, der Gig ist pure Energie, ohne dass das ganze irgendwie stumpf wird. Keine Frage, KOLDBRANN gehören zu den starken Black Metal Bands. So kann man die, die den Saal verlassen haben, auch nur bedauern, denn sie haben einen wirklich starken Gig verpasst.
Über SHINING sollte man zwei Dinge wissen. Erstens: Musikalisch gehört diese Band zum Innovativsten, was der Metal zu bieten hat. Zweitens: Sänger Kvarforth gehört nicht gerade zu den umgänglichsten Zeitgenossen. Beides wird sich im Laufe des Abends beweisen. Als SHINING nach einem langen Intro in ihr Set einsteigen, wird schnell klar, dass das hier nicht der Ort und nicht die Zeit für durchgehende Nackengymnastik ist, auch wenn man seine Haare durchaus ab und an mal kreisen lassen kann. Häufiger ist jedoch bedächtiges Innehalten angesagt, in dem einem nach und nach klar wird, was für ein Gesamtkunstwerk ein SHINING Gig ist. Dementsprechend kann man sich die Setlist Diskussion auch gleich schenken, denn im Moment des Erlebens ist es egal, ob der aktuelle Song von der „V - Halmstad“ kommt, „Submit to Self-destruction“ heißt oder sogar noch komplett unbekannt ist(SHINING tun uns den Gefallen und spielen gleich drei neue und vielversprechende Songs). Man kann einfach nicht anders, als sich in diesen düster-atmosphärischen Klängen fallen zu lassen.
Leider scheint Kvarforth heute nicht gerade seinen besten Tag erwischt zu haben. Sein Gesang ist ja sowieso stark Geschmackssache(meiner Meinung nach ist er zwar passend, aber im Kontext der Musik nur mäßig relevant), aber sein arrogantes Getue will nicht so recht zu der Stimmung der Songs passen. Das wäre alles noch kein wirkliches Problem, aber als Kvarforth von einem Fan provoziert wird(ich weiß, man zeigt der gerade auftretenden Band nicht den Stinkefinger, das gehört sich nicht), scheint er sich gar nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Nach ein paar harmlosen Tritten nimmt er eine Whiskey Flasche und will sie dem Fan über den Kopf ziehen. Dankenswerterweise wird er dabei von einem ihm offenbar sehr nahestehenden Crewmitglied zurückgehalten. Kurz danach singt er weiter, als ob nichts gewesen wäre. Ein paar Songs später bedankt er sich bei seinem Kumpel, dass er ihn zurückgehalten hat. Auf ein Wort der Entschuldigung wartet man im Übrigen vergebens. Der Übeltäter wird dann im Übrigen zumindest kurzzeitig rausgeschafft(okay, wenn man keinen Spaß hat, ist gehen vielleicht auch durchaus eine brauchbare Lösung). Jedenfalls heizt sich die Stimmung in der ersten Reihe stark auf, was dann in einer Prügelei mündet, in der auch unser Fingerzeiger von vorhin wieder involviert ist. Solche Dinge beeinträchtigen dann leider auch den Hörgenuss von Außenstehenden und versauen die Atmosphäre. Wer sich prügeln will, soll das tun, aber das kann man vor der Tür regeln. Und ehrliche Misanthropie und Provokation hin oder her: Auch unter Adrenalin sollte man sich besser unter Kontrolle haben als der Herr Kvarforth.
Von dieser Lappalie(irgendwie ist es für mich als Außenstehender nicht mehr) einmal abgesehen ist es ein großartiger Gig. Die Saitenfraktion zelebriert jeden einzelnen Ton, Kvarforth brüllt voller negativer Emotionen(was die meisten Black Metal Fronter einfach nicht hinbekommen) und der Drummer legt ein wahnsinnig tiefes Fundament dazu. Zudem lassen sich die Musiker auch gegenseitig genug Platz, um zur Geltung zu kommen. Insofern war es trotz allem noch ein großartiger Auftritt mit einer schon fast spürbaren Finsternis. Nur das arrogante Zugabespielchen(rein in den Backstageraum, raus aus dem Backstageraum) hätte man sich sparen können.
Fazit: Ein großartiges Konzert mit einem unschönen Zwischenfall. Ich freu mich schon aufs Party.San und aufs neue Album.