

Das Party.San erweist sich einmal mehr als der Treffpunkt für die Freunde des extremen Musikgeschmacks. Auch wenn das Billing dieses Jahr sehr Death Metal-lastig ist, feiern die Fans aller Stilistiken gemeinsam im fast durchgehend strahlenden Sonnenschein bei höllischen Temperaturen. Obwohl das Party.San inzwischen ein fester Termin im Festivalkalender ist, sind die Standpreise für Fressalien noch sehr niedrig. Einen Metalmarkt gibt es nicht, nur ein paar über das gesamte Festivalgelände verteilte Stände, die vom Undergroundvinyl bis zum rosa Nietengürtel so ziemlich alles anbieten. Der zentrale Stand ist dabei natürlich der T-Shirtstand des Veranstalters, wo neben den preiswerten Festivalshirts auch CD’s und Shirts von einige auftretenden Bands zu fanfreundlichen Preisen angeboten werden.
Postmortem: POSTMORTEM sind keinesfalls Neulinge auf dem Festival, und es ist schon eine stattliche Meute da, als die Truppe loslegt. Der Auftritt ist stark, ein guter Aufwärmer, nur der Sänger scheint ein bisschen verwirrt zu sein, jedenfalls sind die Sprachfetzen, die offenbar die Ansagen sein sollen, recht zusammenhanglos und ab einem bestimmten Punkt auch einfach nur nervig. Dafür growlt der Kerl umso besser.
Azarath: Da können die Polen von AZARATH ganz gut anschließen. Die Techniker liefern einen routinierten Gig mit starkem Songmaterial ab und können sich über gute Resonanz freuen.
Psycroptic: PSYCROPTIC liefern danach eine psychopatische Performance irgendwo zwischen Technikvernarrtheit und Thrashenergie ab. Die Band spielt zwar nicht perfekt, macht aber ohne Zweifel Stimmung, und hat nebenbei die abwechslungsreichsten Kompositionen des Tages am Start.
Deströyer 666: Die Black-Thrasher fahren von Anfang an das volle Brett auf und haben das Publikum damit auch sofort auf ihrer Seite. Die Stimmung erreicht schnell den Siedepunkt, die Fäuste werden gen Himmel gereckt und die Haare geschüttelt. DESTRÖYER 666 erweisen sich als absolut würdige Co-Headliner.
Marduk: MARDUK feiern danach zehn Jahre „Panzerdivision Marduk“, indem sie das Album komplett durchspielen. Die Die-Hard Fans gehen komplett steil und freuen sich über die finsteren und brutalen Brocken. Leider wirkt die ganze Chose auf Dauer doch sehr eintönig, was von den basslastigen Zwischenspielen noch unterstützt wird. Dennoch erweisen sich MARDUK als starker Headliner.
Grabak: Quasi als Ersatz für den Ersatz, nämlich die französischen Black Metaller Glorior Belli, springen GRABAK ein. Die Leipziger schaffen es leider kaum zu überzeugen und wirken eher wie ein Lückenfüller denn wie ein wirklich würdiger Ersatz.
Inhume: INHUME können den Nachmittag auch nicht retten. Sie mögen eine solide Leistung abliefern, können aber nicht richtig herausstechen, und bei der bestehenden Hitze suchen die meisten Zuschauer eher den Schatten, als sich die Grindbrocken einzuverleiben.
Solstafir: Das sieht bei SOLSTAFIR auch nicht ernsthaft anders aus, auch wenn die Songs schon um Längen besser sind. Die Show mag auch gut sein, dafür eignet sich das Songmaterial kaum als Weckruf und will mal so gar nicht zum gelben Bastard am Himmel passen. Einmal mehr scheitert eine Band trotz gutem Auftritt an ihrer frühen Spielzeit. Allerdings ziehen die Herren ihren letzten Song auch ins Unermessliche, was das Finale auch nicht gerade interessant macht.
Den Saakaldte: Man merkt DEN SAAKALDTE an, dass sie kaum gemeinsame Bühnenerfahrung haben. Das ist schade, denn die an sich großartigen Songs wollen durch die mangelnde Ausstrahlung der Musiker nicht so recht zünden. Das gilt leider auch für Sänger Kvarforth, der offenbar zu besoffen ist, um wirklich stark zu sein. Der Auftritt ist an sich stark (wenn man mal von ein, zwei Schönheitsfehlern wie den nicht aufeinander eingestimmten Gitarren absieht), dennoch kommen DEN SAAKALDTE auf Platte irgendwie besser rüber.
Evocation: Ähnlich wie auf dem Rock Hard Festival legen EVOCATION eine energiegeladene Show hin, die die Death Metal Fans von Anfang an begeistert. Schwedentod at it’s best.
Swallow the sun: Dagegen kommen SWALLOW THE SUN nicht an, wenngleich auch sie einen starken Gig hinlegen. Allerdings fehlt ihnen ein bisschen die Eingängigkeit, die Evocation auszeichnet. Dennoch können sie das gut angewärmte Publikum problemlos bei Laune halten.
Hate Eternal: HATE ETERNAL mögen die brutalsten, melodiefreisten, fiesesten, uneingängigsten, etc. sein, bei all ihrer Trueness wollen die Songs einfach mal genauso schnell aus der Erinnerung raus, wie sie reingekommen sind. Wer einfach nur auf das simpelste und brutalste Geknüppel wartet, wird nicht enttäuscht werden, aber mir kommt es so vor, als ob die Energie, die diese Band rüberbringen will, einfach in der Luft verpufft.
Thyrfing: THYRFING sind danach eher mal was für die Pagan Fraktion. Die Band profitiert ziemlich von dem Hype um die Waldscheißermusik, ich glaube jedenfalls nicht, dass sie ansonsten auf diese Position vorgerückt wären. Die Songs sind eingängig und die Show solide, allerdings auch nicht mehr.
Misery Index: MISERY INDEX brauchen nicht besonders lange, um ihre Klasse zu demonstrieren. Die Grind/Death Spezialisten schrauben dem großen Publikum erstmal ganz souverän die Rübe ab und erweisen sich spielend als einer der Höhepunkte des Tages. Wirklich sehr geiler Auftritt.
Unleashed: Können UNLEASHED da noch einen draufsetzen? Sie können. Die Schweden werden frenetisch begrüßt und ziehen danach das ganze Programm durch. Eine tolle Setlist, ein super Sound, und die Stimmung ist perfekt. So lässt sich das Publikum auch nicht lange zu Mitsingspielchen bitten. Sänger Jonny Hedlund bedankt sich ausführlich und heizt die Meute noch weiter an. Keine Frage, UNLEASHED werden an diesem Wochenende von niemandem mehr übertroffen.
Satyricon: Danach liegt es an SATYRICON, den Abend würdig zu beschließen. Doch auch wenn die Truppe um Satyr Gelhaare of Hell ein paar Klassiker auspackt und der Platz vor der Bühne recht voll ist, kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass man gegen die Großen des Black Metal Genres, zu denen man eigentlich gehören will, nicht bestehen kann. Die Stimmung von Unleashed kann nicht einmal annähernd gehalten werden, und als Black Metal Erfahrung sind SATYRICON nur noch mäßig geeignet. Schade.
Hellsaw: Boah, Leute, lernt mal Gitarre stimmen. Offenbar hören sich HELLSAW eher mal gar nicht, anders kann ich mir das unsaubere Gegniedel dieser Truppe jedenfalls nicht erklären. Ansonsten ist der Auftritt solide, aber die Sonne erstickt jede frostige Atmosphäre im Keim.
Beneath the Massacre: Die Gitarren sind bei BENEATH THE MASSACRE zwar richtig gestimmt, dafür gibt es einen totalen Technik-Overkill. Es ist spannend, den Musikern zuzuschauen, aber mir selbst gibt das fiese Gefrickel leider gar nichts.
Paganizer: Da sind PAGANIZER schon eine ganz andere Klasse. Routiniert und spielfreudig spielen sich die Schweden durch einen absolut bangtauglichen Set, der für diese frühe Tageszeit auch schon erstaunlich viele Leute vor die Bühne holt.
Rotten Sound: Danach sinkt die Stimmung leider wieder. Der Grund dafür liegt neben der kurzzeitig aufflammenden Hitze leider auch bei ROTTEN SOUND, die nicht so recht mitreißen können. Die Performance ist zwar solide, aber neue Fans erspielt man sich anders.
Shining: Auf den Auftritt von SHINING haben offenbar viele Leute gewartet, jedenfalls ist es vor der Bühne für die Tageszeit recht voll. Die Schweden spielen einen starken, atmosphärischen Set, der sich auf die letzten drei Alben beschränkt. Lediglich ein paar Soundprobleme stören das Gesamtbild, während sich Kvarforth regelrecht zivilisiert benimmt. Sehr schön.
Brutal Truth: Und einmal mehr wird durch die Gegend gegrindet. BRUTAL TRUTH haben viele Fans im Publikum, und die Mucke ist auch allwettertauglich, so das der Auftritt unter Grindfans einer der Höhepunkte gewesen sein dürfte. Den Schreiberling langweilt diese Truppe dagegen.
Sadus: An die starke Stimmung können die einzigen lupenreinen Thrasher des Festivals problemlos anschließen. Der Auftritt bringt die Nacken schnell zum rotieren und das ausgefeilte Songmaterial zündet trotz einer gewissen Uneingängigkeit sofort. Keine Frage, wir brauchen mehr Thrashbands auf Extremmetalfestivals. Danke SADUS!
Moonsorrow: Während das Wetter immer kühler wird, und es nun auch zu regnen anfängt, bleibt das Publikum bei MOONSORROW gut warm. Die Finnen sind in diesem Knüppelbilling ein Farbtupfer, und wissen das mit ihren progressiv-doomigen Songs zu unterstreichen. Das Tempo wird nur gelegentlich angezogen, was auch mal eine schöne Sache ist. Einer der Höhepunkte des Tages, der einmal mehr beweist, dass MOONSORROW auch ohne Pagan Hype bestehen können.
Brujeria: Die folgende Band bietet dazu das komplette Kontrastprogramm. Simpel, brutal und mit mehrheitlich unterkurzen Songs holzen sich die Banditen durch ihr Set. Das ist zuerst recht lustig, verödet aber nach ziemlich kurzer Zeit, weil BRUJERIA zu sehr auf ihr Image bedacht sind und der letzte kompositorische Funke einfach fehlt.
Eluveitie: Auch die zweite Folkband des Tages macht ihre Sache gut, die Performance ist sehr spielfreudig, die Band gut aufeinander eingestimmt, und der Set ähnelt passender weise dem von der Tour mit Kreator. Sprich, es sind die härteren Songs, die den Weg ins Set gefunden haben. Leider will der Sound nicht, wie ELUVEITIE wollen. Die Folkinstrumente sind kaum zu hören, stattdessen gibt es einen unmöglichen Soundmatsch in den Bässen. Man kann der Party.San Crew nur raten, ihren Mischer mal auf eine Weiterbildung zu schicken.
Dark Funeral: Die Plastikpanzer sind wieder da. Und diesmal legen sie sogar eine ziemlich starke Show hin. Während gelegentlich das Feuer fehlt und man sich sogar fragt, was von dem Soundmüll da jetzt eigentlich live ist, scheint heute alles in Ordnung zu sein. DARK FUNERAL sind zwar nach wie vor eher eine der spaßigen Bands des Genres, aber immerhin das können sie.
Six Feet Under: Zu SIX FEET UNDER leert sich das Gelände dann schon etwas. Es ist halt nicht gerade förderlich, wenn die letzte Band des Festivals ihre Umbaupause noch mal drastisch überzieht. Danach machen die Herren gut Stimmung und sorgen so für einen schönen Festivalabschluss.
Fazit: Das Party.San ist ein gemütliches Festival mit humanen Preisen und professioneller Organisation. Leider hat das Billing nicht immer gehalten, was es versprochen hat. Dafür entschädigt aber das schöne Campingareal am Wald und die gute, wenn auch nicht überdrehte Stimmung des Festivals.
Best Off Ansagen:
„So, jetzt kommt unser letzter Song, aber keine Angst, er geht immerhin 12 Minuten.“ (Ville Sorvalli, Moonsorrow)