

Ein schwarzer Todeswind weht durch das K17. Nach der Veröffentlichung des starken Albums „Death to all“ besuchen Necrophobic unter dem mäßig pazifistischen Motto „Death to Germany“ endlich mal wieder die deutschen Clubs. Mit dabei ist ein ganzer Rattenschwanz von Vorbands. Am Shirtstand findet man dementsprechend viele Musiker, die Shirts zu sehr günstigen Preisen verhökern und Fannähe suchen. Die Fans freut es, und die Stimmung ist sehr entspannt, zumindest, bis die erste Band die Bühne betritt.
NAZXUL heißt der Opener für heute, der offenbar nicht die ganze Tour dabei ist. Da sind die Fans in den anderen Städten aber zu bedauern, denn trotz Soundwidrigkeiten liefern die Ambientpandas eine wirklich tolle Show ab, und können sich dementsprechend über gute Reaktionen freuen. Wobei das Berliner Publikum sich noch nicht so recht aus der Reserve locken lassen will, die Musik der Band aber zumindest gebührend honoriert. Und das ist sehr viel mehr, als man bei diesem Publikum als Opener erwarten kann.
Und auch INFERI erwischen trotz mäßigem Sound einen guten Start. Nach dem atmosphärischen Material von Nazxul kommt die Death Keule gerade recht, und ein großer Teil des Publikums weiß das zu schätzen, auch wenn es weiterhin eine Art imaginären Fotograben gibt. Die Argentinier lassen sich davon nicht beirren und geben von Anfang an Vollgas. Authentisch und sehr spielfreudig reißen sie ihren Gig runter, der den Nacken antreibt und auch sonst viel Spaß macht.
Technical Death Metal – ich frickel dich, bis du tot bist. IMPERIOUS MALEVOLENCE sind sicherlich keine leicht verdauliche Kost, dafür bleibt einem beim zugucken einfach nur die Spucke weg. Die Bassläufe spielen eindeutig in der selben Liga wie die von Cannibal Corpse, und Basser Rafahell grunzt nebenbei noch viehisch. An der Gitarre sieht man eine ziemlich krude Mischung aus Slayer Geshredder und großartigen Melodiesoli. Technisch der absolute Overkill, aber spannend anzuschauen, und das Publikum kann nicht anders, als diesen Musikern Respekt zu zollen.
Dann ist es endlich Zeit für NECROPHOBIC. Die Schweden zeigen sich vom ersten Moment an in absoluter Spiellaune. Ihr Stil vereint die Finsternis des Black Metal und die Brutalität des Death Metal. Da auch der Sound ziemlich klar ist, fehlt jetzt nur noch eine starke Setlist. Und auch die haben NECROPHOBIC dabei. Ein paar Songs des neuen Albums (u.a. „For Those who stay satanic“ als Opener, „Celebration of the Goat“, „Revelation 666“), dazu „Frozen Empire“, das obligatorische „Blinded by Light, Enlightend bei Darkness“, aber auch „Dreams shall flesh“ und „Nailing the holy one“ haben ihren Weg in die Setlist gefunden.
Das Publikum ist hingegen erstmal reserviert und lässt sich erst bitten, bevor die Haare tatsächlich fliegen. Spätestens beim merkwürdigen Mitsingspielchen in „Celebration of the Goat“ sind aber alle Dämme gebrochen, und die Meute geht ordentlich ab. Das freut die Band sichtlich, und so schaukeln sich beide Seiten gegenseitig hoch, bis der Set nach ca. 80 Minuten mit „The Nocturnal Silence“ beendet wird.
Fazit: Wenn man vom Sound absieht, hätte der Abend kaum besser laufen können. Für 16 Euro bekam man vier starke Auftritte von vier großartigen Bands, bei denen zudem auch die stilistische Mischung gepasst hat. Das hier hat nichts mit Festivaltouren, mit gestressten und übermüdeten Musikern, zu knappen Zeitplänen und den Auswüchsen der Fastfood Industrie zu tun. Auch nach dem Konzert konnte man die Bands noch einmal treffen, und alle schienen mächtig Spaß an der Sache zu haben. So soll es sein, und in dieser Form dürfen alle Bands auch gerne mal wieder vorbei schauen.
Für die Fotos bedanke ich mich recht herzlich bei Endrew Stepan, www.thestarspawn.de