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Metallica - Leipzig - 7.5.2009

Viel ist diskutiert worden – über das neue Album „Death Magnetic“, über überhöhte Ticketpreise(65€) und geldgeile Arschlöcher, die den Preis noch zusätzlich vervielfachen(auf mehrere hundert Euro), indem sie die Orginaltickets aufkaufen und dann wieder verkaufen, wenn das Konzert „ausverkauft“ ist, darüber, dass Metallica früher viel besser waren, dass sie heute nur noch lahme, geldgeile Säcke sind, etc. Zumindest den Begriff „geldgeil“ muss man sich bei diesem horrenden Eintrittspreis und T-Shirts zum Preis von 30€ wohl gefallen lassen, wobei mir immer wieder auffällt, dass angeblich „fannähere“ Kollegen (allen voran die Lästermäuler Slayer) es kaum besser machen. Insofern kann der Appell für fanfreundliche und faire Eintritts- und T-Shirtpreise nicht nur an Metallica, sondern an die gesamte Musikindustrie richten. Gut, schön bzw. nicht schön, aber ich schweife ab, denn was auf der Bühne zählt, ist nun mal etwas anderes, hier wird sich zeigen, ob Metallica nicht nur geldgeil, sondern auch lahm sind.

Wie immer bei einer Metallica-Tour, platziert man die Bühne in der Mitte, was erstmal etwas irritierend wirkt, vor allem, da der Aufbau zuerst etwas chaotisch ist. Das Schlagzeug der ersten Band THE SWORD ist von meiner Position aus nicht zu sehen. Allerdings wird sich im Laufe der drei Auftritte zeigen, dass der zentrale Bühnenaufbau durchaus seine Vorteile hat, allerdings nur, wenn die Musiker ihn auch nutzen.

Die Crew und die Security scheinen schwergeprüfte Männer und Frauen zu sein. Erstere müssen offenbar mit einigen Verspätungen arbeiten und haben auch sonst das eine oder andere Problemchen. Mein Lob an die Leute: Der im Voraus bekannte Zeitplan wird trotz offenbar diverser Widrigkeiten(wenn man die gelegentlichen Fluchereien der Crew richtig deutet) zumindest annähernd eingehalten. Die Crew ist ziemlich umfangreich, wuselt aber keineswegs unkontrolliert durch die Gegend, sondern macht einen straff durchorganisierten Eindruck. Etwas anders sieht es leider bei den Leuten von der Security aus. Die machen gelegentlich einen recht desorientierten Eindruck, wissen viel zu häufig nicht Bescheid und gehen während des Konzertes mit den Besuchern recht desinteressiert bis ruppig um, was darin gipfelt, dass ein Crowdsurfer in die Menge zurückgeschoben werden soll. Dass das so nicht funktioniert, sollte jedem klar sein, ebenso, dass man dabei Verletzungen unter den Besuchern riskiert. Sehr ärgerlich!!!

Weniger ärgerlich sind THE SWORD. Denen scheint die Bühne zwar doch noch etwas zu groß zu sein, dafür klingen sie mit ihrem Black Sabbath artigen Sound schön oldschoolig. Das gefällt vor allem dem älteren Teil des Publikums, während die Jüngeren häufig nicht soviel mit den Hardrock Hippies anfangen können. Schade, denn trotz der starken Black Sabbath Schlagseite klingen THE SWORD durchaus innovativ, vor allem, da sie ihren Sound gerne mit vertrackten Tempowechseln würzen, was ihnen einen starken eigenen Charakter gibt. So schafft es das Quartett auch, dass Publikum ganz gut aufzuwärmen, auch wenn nicht gerade Begeisterungswellen aufkommen.

MACHINE HEAD schaffen es dagegen sofort, dass Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Man merkt, dass die Truppe doch einige Fans im Publikum haben. Zudem zaubern die Amis, die jede Schuld am Entstehen des Metalcore konsequent von sich weisen, mit dem Iron Maiden Cover „Hallowed be thy Name“ auch noch eine schöne Überraschung aus dem Hut. Dem muss leider das starke „Asthetics of Hate“ weichen. Ansonsten ist der Gig zu kurz für große Sprünge, und so gibt es viel, was man schon von vorangegangenen Touren kennt, einschließlich des Schlussduos „Halo“ und „Davidian“, mit dem das Publikum in Richtung Headliner entlassen wird. Hier wird auch klar, dass sich Metalica wie schon Slipknot letztes Jahr mit dieser Vorband eine ziemliche Herausforderung gestellt haben.

Dann geht es endlich los. Nach einem technisch bedingten Fehlstart mit „It’s a long way to the top“ von AC/DC darf heute Saxons „Heavy Metal Thunder“ als eine Art Vorintro fungieren, bevor „The Ecstasy of Gold“ vom Band erklingt, und die Masse kollektiv am Rad dreht, bevor auch nur einer der four Hoursemen die Bühne überhaupt betreten hat. Der nachfolgende Opener „That was just your life“ vom aktuellen Album „Death Magnetic“ macht vor allem eines klar – zumindest auf der Bühne und von großer Lasershow unterstützt brauchen sich die neuen Songs hinter den Großtaten der Achtziger kaum zu verstecken. Zwar erreicht keiner der famos dargebotenen neuen Stücke die Klasse von „Master of Puppets“ oder ähnlichen Kandidaten, aber die tiefen Gräben, die auf Platte zwischen den alten Alben und dem aktuellen Output noch klar zu erkennen sind, werden live von der Spielfreude der Band mühelos zugeschüttet. Das wird man vermutlich anders sehen, wenn man mit Perlen wie „Motorbreath“, „Creeping Death“ oder „Disposable Heroes“(leider kommt heute keiner der drei zum Zuge) aufgewachsen ist, aber dabei sollte man nicht vergessen, dass in einem solchen Fall die persönlichen Erinnerungen einen nicht unerheblichen Anteil am Konzertgenuss haben. Das sagt aber nichts über die Qualität der neuen Songs aus. Und wenn man eine Setlist auf den neuen Songs aufbauen kann und nur mit ein paar Klassikern und Raritäten nachwürzt, ohne dabei auch nur einen Millimeter Stimmung zu verlieren, dann sagt das ja auch schon etwas aus. Die Auswahl der älteren Songs scheint im Übrigen erstmal etwas unglücklich gefallen zu sein, da man mit „Fuel“ und „Turn the page“ zwei eher unauffällige Nummern gewählt hat. Erstaunlicherweise fügen sich aber auch diese Songs gut in die Setlist ein. Echte Schmankerl sind hingegen die „Ride the Lightning“ Songs „Fight Fire with Fire“, “Ride the Lightning“ sowie die Zugabe „Trapped under Ice“. In der Zugabe findet sich auch der einzige tote Punkt im Set, nämlich „The small hours“, dass niemand so recht zu kennen scheint, und dessen satter Groove kaum angenommen wird. Mit „Trapped under Ice“ und „Seek and Destroy“ ist der Ausklang des Abends dann aber ein donnernder.

A propos donnernd: Die Bühnenshow donnert heute leider nicht ganz so, wie bei anderen METALLICA Konzerten. Versteht mich nicht falsch, die acht Riesensärge an der Decke sind schon tierisch beeindruckend und Sound und Licht sind auch allererste Sahne, dafür fehlen heute die Ballons, und die Pyroshow war wohl auch schon mal fetter. Angesichts der übermächtigen Bühnenpräsenz eines James Hetfield sind das aber Peanuts, die man getrost ignorieren kann. Bereits beim ersten Song wird eines klar: James fesselt die Leute. Wie kaum ein anderer Frontmann schafft er es, das Publikum auf seine Seite zu ziehen. Die ganze Band glänzt mit einer Spielfreude, die man Multimillionären eigentlich nicht zutraut, Lars springt bei jeder sich bietenden Gelegenheit von seinen Kesseln weg und turnt durch die Gegend, Kirk macht selbst beim solieren noch Laufkilometer und scheint immer irgendwohin unterwegs zu sein, Rob ist dem Wahnsinn sowieso schon lange anheim gefallen, aber es ist trotz allem James, der die Blicke auf sich zieht und seine Sidekicks zu Nebendarstellern degradiert. „It’s your life!!!“, brüllt er, und die Menge brüllt zurück. Als James dann von einem Kampf zwischen Publikum und PA spricht, nimmt man ihn absolut ernst, ebenso wie wenn er von der Metallica Familie spricht und schwört, nicht wieder 14 Jahre zu warten, bis er mit seiner Band Leipzig besucht.

Da verwundert es auch nicht, dass der Druck auf die ersten Reihen trotz der mittigen Bühne gefährliche Ausmaße annimmt. Das geht leider zu Lasten der Schwächsten, die sich reihenweise aus der ersten Reihe rausholen lassen. So ist die Besetzung der ersten Reihe am Ende des Konzertes eine komplett andere als am Anfang. METALLICA lassen die Leute durchdrehen, sie lassen sie ihre Aggressionen rausbrüllen und manchmal werden die Leute auch rücksichtslos, um ihren Helden ein wenig näher zu sein. Man kann sagen, dass das zu einem Konzert dazugehört, dennoch gehört es zu den eher unschönen Begleiterscheinungen eines Konzertes, dass locker das Konzert des Jahres werden könnte.

Fazit: Metallica sind geldgeile, unlahme Säcke.

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