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Kings of Black Metal Festival - Gießen - 18.4.2009

25. April 2009
12:00

Ein weiteres Mal öffnet Burning Stage die Tore für ein Eintagesfestival mit hochkarätigem Billing. Dabei führt die Fixierung auf Black Metal Bands und die doch recht undergroundigen Headliner zu einem zahlenmäßig eher kleinen Publikum, das die dargereichten Perlen dafür aber umso mehr zu schätzen weiß. Die Organisation kann sich leider immer noch nicht von ihrem reichlich unpraktischen Wertmarkensystem trennen, zudem ist es am Ende der Veranstaltung fast unmöglich, überhaupt noch Getränke zu bekommen. Ebenfalls recht unschön sind die Papierbändchen, die zwar das Festival über halten, aber längst nicht den Erinnerungswert der vorher verwendeten Festivalbändchen haben. Das kann man eine Lappalie nennen, muss man aber nicht. Was diesmal hingegen besser war, war die zahlenmäßige Besetzung von Getränkestand und Garderobe, so das man seine Jacke genauso schnell los wurde, wie man sein Bier in der Hand hatte. Zudem ist die Hessenhalle eine sehr angenehme Location, bei der es eine extra Halle für den recht umfangreichen Metalmarkt und die Garderobe gibt und man seitlich auf der vollen Breite des Raumes vor die Bühne kann, so das es kaum räumliche Engpässe gibt. Alles in allem also ein brauchbares organisatorisches Umfeld, das aber noch viel Luft nach oben lässt.

Mathyr: Diese Band verpasse ich leider bis auf den letzten Song, man kann aber sagen, dass MATHYR vor bescheidener Kulisse positive Reaktionen geerntet haben.

Hellsaw: Als zweite Band des Tages hat man noch nicht die wahnsinnig riesige Menge vor der Bühne, allerdings sieht eine leere Halle auch anders aus. Zudem ernten HELLSAW durchaus positive Reaktionen und haben auch einige Fans im Publikum. Der Gig ist grundsolide mit einigen Höhepunkten, allerdings auch mit dem einen oder anderen Hänger. Man merkt jedoch, dass das starke Material zum Ende des Gigs hin zunimmt und HELLSAW irgendwann die Balance zwischen treibenden und stampfenden Passagen finden.

Witchmaster: Als die ersten Riffs von WITCHMASTER erklingen, darf man sich zur allgemeinen Nackengymnastik eingeladen fühlen. Das Black-Thrash-Brett dieser Truppe ist jedenfalls das so ziemlich treibendste und nach vorne heraus brutalste, was einem auf diesem Festival geboten wird. Die Songs kommen schnell auf den Punkt und sind weitgehend anspruchslos gehalten. Auf diese Weise bringen WITCHMASTER ein wenig Abwechslung ins ansonsten sehr auf böse Atmosphäre bedachte Billing. Zudem sind WITCHMASTER sehr spielfreudig und schaffen es schnell, das Publikum mitzuziehen. Tonkunst mag man woanders suchen, hier geht’s auf die Zwölf!!!

Necros Christos: Gehen Witchmaster beim Geschwindigkeitswettbewerb eindeutig als erstes über die Ziellinie, sind NECROS CHRISTOS hier vermutlich die letzten. Zu Weihrauchdämpfen schmeißt die Band ihre sehr doomigen Brocken in die Menge. Vermutlich ist diese Musik die einzige, bei der es kaum stört, dass die Band keine ernsthafte Ausstrahlung hat. Der Bewegungsradius ist nicht besonders groß, und auch sonst lässt man in erster Linie die Musik für sich sprechen. In die erste Liga werden NECROS CHRISTOS auf diesem Wege vermutlich nie vorstoßen, hier und heute macht sich diese Musik aber wirklich gut.

Taake: Für eventuelle hakenkreuzige Eskapaden des Frontmanns interessiert sich heute wohl eher mal niemand, viel eher zählt, dass man TAAKE endlich mal wieder im antifaüberfüllten Kessel Deutschland live erleben kann. So dreht das Publikum auch bereits bei den ersten Akkorden total am Rad und schließt die Skandaltruppe wie verlorene Söhne in ihre teilweise so gar nicht kalten Herzen. TAAKE werden gefeiert, als gäbe es schon den ersten Headliner zu sehen, es entsteht sogar ein ziemlich umfangreicher Moshpit, teilweise wird die Stimmung im Saal regelrecht aggressiv und gleicht eher den Körperschlachten auf dem With Full Force als dem eher introvertierten Kunstgenuss im Black Metal. Da stört es auch nicht wirklich, dass der Gig eher solide als wirklich herausragend ist und die Atmosphäre der meisten Folgegigs in keiner Minute erreicht. Denn Atmosphäre braucht bei dieser Partystimmung nun wirklich niemand.

Necrophobic: Wem Witchmaster zu trashig, Necros Christos zu lahm und austauschbar und Taake zu kommerziell sind, der bekommt bei den Jon Nödtveidt Freunden, was er verlangt. Die Atmosphäre verkühlt sich schlagartig und die Bühnenbeleuchtung hätte man sich auch sparen können, denn hier regiert die Dunkelheit. Damit kann man kaum an den Stimmungslevel von Taake anschließen, deren viel eingängigerer Sound eher dazu geeignet ist, die Masse zu begeistern, doch NECROPHOBIC machen keine Musik für die Masse, und es ist ihnen egal, wenn ihre Klangwerke einen Teil des Publikums ganz offensichtlich überfordert. Die, die mit der Musik von NECROPHOBIC etwas anfangen können, erleben jedoch einen der intensivsten Gigs des Festivals. Wirklich stark!!!

Dark Funeral: Jedes Festival braucht eine Partyband. J.B.O machen sich zu solchen Gelegenheiten recht gut, auch die Excrementory Grindfuckers sind eine brauchbare Alternative. Na, und wenn man dem Dilemma ausgesetzt ist, dass man eine Partyband braucht, die Black Metal spielt, dann sind die Alternativen rah gesäht. Erst recht, wenn Dimmu Borgir dann doch ein paar Preisklassen zu hoch ist. Aber dankenswerterweise gibt es ja DARK FUNERAL. Stimmung machen können die Plastik-Antipaladine durchaus, allerdings könnte man die Musik auch vom Band spielen lassen(was während des Auftritts wohl auch mehr oder weniger durchgängig passiert ist, jedenfalls haben verdächtig viele Leute den verpassten Einsatz beim ersten Song bemerkt, der mir moshenderweise entgangen ist), es würde keinen Unterschied machen(man könnte auch sagen, es MACHTE keinen Unterschied). Was bleibt festzuhalten? Die Ansagen sind lauter als der Gesang(merkwürdiges Stimmproblem), die Stimmung ist trotzdem ganz gut, es gibt mal wieder was zu moshen, dennoch ist der Auftritt irgendwo zwischen solide und mittelmäßig. So oder so.

Mayhem:MAYHEM sind so eine Sache. Sicher, sie sind legendär, sie sind aber genauso umstritten, und auf Scheibe hatten sie gelegentlich, ähem, gewisse Defizite. Da freut es umso mehr, dass Mayhem eine Oldschool Setlist auffahren, wie man sie sich als Fan von simplen, aber effektiven Black Metal nur wünschen kann. Bereits der Opener „Pagan Fears“ macht klar, in welche Richtung der Set gehen wird, bei dem es neben einigen weiteren Songs des „De Mysteriis Dom Sathanas“ -Albums(u.a. „From the darkest past“ und natürlich der Titeltrack) auch zwei Songs vom „Deathcrush“ –Debüt gibt, wobei der Titelsong um das „Silvester Anfang“ –Intro ergänzt. Passend dazu hat sich Attila in eine Art Mönchskutte gehüllt und eine Corpsepaint Maske aufgesetzt. Offenbar ist MAYHEM klar geworden, dass sie jetzt schon 25 Jahre im Geschäft sind und das sie mal zu den ganz Großen gehörten. Das macht sie spielfreudig. Attila ist auch ungewöhnlich kommunikativ und hat sichtlich Spaß daran, die Masse zu unterhalten. In ihrer Spielfreude wirkt die Band gelegentlich schon fast punkig, was man wohl als weiteren Querverweis auf die Frühzeit des Black Metal, in der diese Band eine so entscheidende Rolle spielte, sehen kann. Als MAYHEM sich dann mit dem letzten Song „Pure fucking Armageddon“ verabschieden, sieht man eigentlich nur in zufriedene Gesichter. Und der Satz „Man, waren MAYHEM geil“ fällt sehr häufig – allerdings selten ohne den Nachsatz „unerwartet geil!“.

Watain: Man könnte meinen, dass es WATAIN recht schwer fallen würde, diese grandiose Stimmung zu übernehmen, denn die Umbaupause zieht sich hin. Gab es bei Mayhem schon eine gewisse Relativität der Programmzeiten, starten WATAIN mit ca. 90-minütiger Verspätung. Man kann allerdings kaum bestreiten, dass die Umbaupause auch komplett genutzt wird. Diverse mit Tierschädeln behangene Kerzenständer werden auf die Bühne gebracht, die ganze Bühne wird mit altem, gepanschtem Schweineblut aufbereitet, auf das der schwarze Genuss alle Sinne umfasse. Als dann endlich ein an „Legion of the black light“ angelehntes Streicherintro einsetzt und in den Song überleitet, ist die Stimmung dann aber doch sehr schell da, wo sie hingehört. Am absoluten Siedepunkt nämlich. WATAIN haben eine große Show aufgefahren, die die lange Umbauzeit locker ausgleicht. Neben der Pyroshow kommt vor allem das Licht optimal zur Geltung. Die gesamte Show hüllt den Saal in eine düstere Atmosphäre, in der WATAIN in keinem Moment als Showband rüberkommt. Sie zelebrieren einen wahrhaft dämonischen Auftritt von düster-betörender Wirkung, der ihre Ausnahmestellung selbst in dieser finsteren Musikrichtung eindrucksvoll unter Beweis stellt. Songs wie „Devil’s Blood“, „Sworn to the dark“(gewidmet Euronymous und Jon Nödtveidt) oder „Stellavore“ entfalten eine ganz eigene Wirkung. Ergänzt wird die Setlist um das Dissection Cover „The Somberlain“.

Wer WATAIN an diesem Abend gesehen hat, hat eine Band gesehen, die unter den großen Bands angekommen ist. Nachdem man mit Mayhem die Vergangenheit des Black Metal gesehen hat, sieht man hier die Gegenwart und die Zukunft. Man kann jedenfalls nur hoffen, dass uns WATAIN in dieser Form noch lange erhalten bleiben.

Fazit: Wenn es leichte organisatorische Mängel gab, wurden diese durch die fast ausnahmslos starken Bands wieder wett gemacht. Freunde der schwarzen Kunst sollten sich das Festival als Pflichttermin in den Kalender schreiben.

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