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Die Apokalyptischen Reiter - Berlin (26.10.2008)

Bandliste:

  • Die Apokalyptischen Reiter
  • Mustasch
  • Honigdieb
  • Marionett

Wenn die Apokalyptischen Reiter zu die Reiterfestspiele ausrufen, dann hält den Freund der fröhlichen Weltuntergangsstimmung nichts mehr zu Hause. Also pilgert man zur Stätte der Apokalypse, heute das Kesselhaus der Kulturbrauerei. Als ich dort ankomme, ist es auch schon hübsch voll, vor allem vor dem T-Shirt-Stand drängeln sich die Fans. Das verwundert nicht richtig, denn im Einklang mit dem Eintrittspreis sind auch die T-Shirtpreise mit 15€ sehr fanfreundlich. Ob die Reiter damit ein schlechtes Geschäft gemacht haben, darf zumindest mal bezweifelt werden, wenn man sieht, wie viele Leute mit Reiter-Shirt rumlaufen.

Die lokale Vorband VANITY RUINS verpasse ich leider, also steht mit MARIONETT die zweite Band des Abends auf dem Programm, als ich meine Ohren aufsperre. Der Fünfer kommt aus Schweden, und das hört man, denn In Flames lassen doch recht deutlich grüßen. Das in Anzüge gekleidete Quintett gehr sehr engagiert an die Sache heran und liefert ein ziemlich überdrehtes Stageacting ab. Leider kann das Songmaterial diesen Bemühungen nicht so ganz gerecht werden, und lässt einen immer wieder gähnen. So ist man doch auch recht dankbar, als die Herren(oder sollte man Knaben sagen???) wieder verschwinden.

Waren Marionett ziemlich langweilig, wird’s bei HONIGDIEB eher mal peinlich. Der Sechser spielt eine Mischung aus Folkrock und Reggae. Das ist nun sowieso nicht unbedingt die spannendste Mischung, doch die Kompositionen sind selbst dafür extrem langweilig. Da machen auch Geige und Querflöte keinen Unterschied, die viel zu häufig einfach nur kinderliedartige Melodiechen vor sich hin spielen, anstatt die Song sinnvoll zu erweitern. Das ist der langweilige Teil. Der peinliche hat kein T-Shirt, dafür aber einen Mantel an, leuchtet an allen möglichen Ecken und Enden und schimpft sich Sänger. Der scheint sich durchaus der Schwächen im Songwriting bewusst zu sein, und versucht das mit einer geradezu blödsinnig-albernen Performance wettzumachen. Da sprühen Funken von irgendwelchem Tischfeuerwerk ins Publikum, da fliegt ein Miniaturschwein durch die Gegend, etc. Das ist weder lustig noch spannend, sondern schlicht und einfach eine Nullnummer.

Man kann den Göttern des Metal, des Rock, des Roll, Satan, Odin, Thor, Luzifer, und was da oben/unten noch so rumfleucht, nur für das Auftauchen von MUSTASCH danken. Die Rock’n’Roller mit dem James-Hetfield-Lookalike am Mikro spielen herrlich bodenständigen Heavy Rock, und zeigen dabei eine energiegeladene Performance, wie man sie sich nur wünschen kann. So ist die Stimmung auch das erste Mal an diesem Abend richtig gut, und der Sänger kann das Publikum ohne Probleme für seine Mitsingspielchen gewinnen. Mit dem abschließenden „Double Nature“ lässt der Vierer das Publikum gut angewärmt für die Reiter zurück.

Die haben danach leichtes Spiel. Mit dem Quasi-Titelsong des aktuellen Albums „Wir sind das Licht“ und „Revolution“ vom letzten Album schaffen die Reiter einen super Start. In der Folge erleben die Fans einen energiegeladenen Set, der die Halle schneller zum Überkochen bringen kann als jeder Hochofen. Fuchs turnt wie üblich ungehemmt durch die Gegend, Volk-Mann wirkt mit Jeans und Hemd wie das fleischgewordene Klischee des Hardrockers und bangt wie ein Wilder. Nebenbei sitzen auch seine Backing Vocals erstklassig, genauso wie Fuchs gut bei Stimme ist und nebenbei wahnsinnig viel Interaktion mit den Fans betreibt(und auch mal das Mikro aus der Hand gibt). Der dritte optische Höhepunkt ist sicherlich Dr.Pest, der die Handschellen zum festmachen der Seemannsbräute um ein paar schwere Ketten erweitert hat. Zudem rennt er bei jeder sich bietenden Gelegenheit von seinem Keyboard weg und lässt seine Peitsche gen Publikum schnellen. Der eher unauffällige Part der REITER ist neben Trommler Sir G. die Gitarristin Lady Cat-Man, die doch sehr damit beschäftigt ist, ihre Parts zu spielen.
Der Schwerpunkt der Setlist liegt natürlich auf dem aktuellen Album „Licht“, allerdings finden sich überraschender- und erfreulicherweise auch ein paar ganz alte Schätze im Set, vor allem „Gone“, das viel geforderte „Iron Fist“ sowie „The march of revenge“ wissen zu begeistern. Dazu kommen noch ein paar weniger alte Hits. Alles in allem eine sehr ausgewogene Setlist, was die Fans freut und zu Höchstleistungen antreibt. Die Bühne ist vor Stagedivern zweitweise mächtig überfüllt, und beim Reitermania-Schlauchbootrennen sind die Boote hoffnungslos überladen. Der ganze Spaß ist dann nach ungefähr 80 Minuten vorbei, was bei so einer tollen Stimmung viel zu kurz ist. Da wäre sicherlich noch mehr gegangen, doch auch so war es ein super Konzert, und die REITER haben sich ein weiteres Mal als tolle Live Band präsentiert. Weiter so!!!

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