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VAINGLORY - Interview mit Kate French

Wer auf kraftvollen Old School Metal ohne Schnörkel steht und Powerfrauen-Stimmen wie der von Doro oder Veronica Freeman (Benedictum) nicht widerstehen kann, wird auf kurz oder lang nicht an einer Band namens VAINGLORY vorbei kommen. Diese US Metal-Hopefuls haben auf ihrem kürzlich erschienenen gleichnamigen Album nämlich auch eine Lady von diesem Schlage zu präsentieren. Eben jene Dame, Kate French, dürfte dem einen oder anderen nicht ganz unbekannt sein, lieh sie doch bereits Gitarrenheld David T. Chastain ihr beeindruckendes Organ. Metal2metal schickte Gastredakteurin Katrin zum Amazonengipfel.

Katrin:
Hi, Kate! Zunächst mal muss ich sagen, welch ein Powerblast euer neues Album ist! Wie hat denn die Presse insgesamt auf diese grandiose CD reagiert?

Kate:
Wir bekommen fantastische Reviews und danke für das Kompliment! Ich liebe das Album auch sehr. Und es hat eine Menge Spaß gemacht, diese tollen Songs live zu performen.

Katrin:
Verglichen mit eurem Debütalbum “2050″, was ist anders und neu auf “Vainglory”?

Kate:
“2050″ war ein reines Studioprojekt mit Musiker, die recht kurzfristig zusammen getrommelt wurden. Inzwischen haben wir eine echte Band. Zudem ist das neue Album eine ganze Ecke aggressiver und auch anspruchsvoller vom Songwriting her.

Katrin:
Kate, nach der Geburt deines Sohnes Trevor 1998 hast du eine schwere Zeit durchgemacht. Du hast mal in einem Interview gesagt, du seist einfach besessen davon gewesen, möglichst schnell wieder superschlank zu werden. Du hättest kaum noch was gegessen, Diät-Pillen geschluckt und viel zu viel Kaffe getrunken, bis dann eines Tages der Zusammenbruch kam. Wie fühlst du dich heute? Deiner Performance auf “Vainglory” nach zu urteilen, bist du wieder voll auf der Höhe und topfit!

Kate:
Ich fühle mich großartig, danke der Nachfrage! Ja, ich war eine Zeit lang ziemlich krank und wusste nicht, was mir eigentlich genau fehlte. Es war ziemlich erschreckend, viele Nadeln und Tests. Das lehrte mich, besser auf mich aufzupassen. Ich glaube, dass nach jeder Not auch Stärke kommt. Was das Singen angeht: Ich wuchs in der unvergleichlichen Metal-Community von Sacramento und der Bay Area auf, also wurde meine Stimme immer stärker, weil ich mit den Jungs mithalten wollte und musste. “It’s a man’s world”, das sagen zumindest die Herren über den Metal, aber ich sage, dass die Frauen hier mindestens genauso heftig Arsch treten können.

Katrin:
Was muss denn eine Lady tun, trinken, essen, rauchen oder was auch immer, um so kraftvoll wie du zu klingen? Wie hältst du deine Stimme fit, damit sie nicht beschädigt wird?

Kate:
Singen ist kein Glücksspiel, es ist 100% Kontrolle. Sobald du die Kontrolle über deine Stimme verlierst, funktioniert gar nichts mehr. Man muss sicher gehen, dass man nicht zu laut singt. Immer wenn man zu nah am Limit agiert, läuft man Gefahr, die Stimme zu verlieren. Wie und wo du deine Stimme die Töne formen lässt, ist außerdem eine sehr wichtige Angelegenheit. “Unterstütze deine Höhen und Tiefen durch die Nase”, ist mein nützlicher Grundsatz dazu. Ich bin nicht perfekt, manchmal bin ich gut drauf, und manchmal eben nicht, viele Faktoren spielen da hinein. All ihr Sänger da draußen: Glaubt nicht, dass jemand oder gar ihr selbst gesanglich perfekt seid, wir haben ALLE unsere schlechten Tage!

Katrin:
Dein Sohn ist ja immer noch ein recht junges Kerlchen. Wie handhabst du diese Spannung zwischen Familienleben und dem Leben als Sängerin in einer Metal-Band?

Kate:
Ich denke, ich halte hier eine gute Balance, gehe dabei aber sicher, dass mein Sohn an erster Stelle steht. Wenn wir weg sind, verbringt er die Zeit mit seiner Großmutter und er liebt das. Es ist also eine Win/Win-Situation.

Katrin:
VAINGLORY klingen wie eine Band der späten Achtziger. Die meisten Leute könnten überrascht sein, dass das Geburtsdatum dieser Formation im 21. Jahrhundert anzusiedeln ist. Wie habt ihr euch denn alle kennen gelernt und euch dazu entschieden, diese im besten Sinne des Wortes altmodische Musik zu machen?

Kate:
Ich würde nicht sagen, dass wir total nach irgendeiner Epoche klingen, guter Heavy Metal ist zeitlos, und wir sind eine zeitlose Band. Metallica sind eine meiner Lieblingsbands und was die machen, ist noch immer zeitgemäß. Es ist einfach nur “in-your-face-kick-ass-metal”! Ein paar neuere Bands machen im Prinzip genau dasselbe, Trivium oder Cellador zum Beispiel. Wir bringen wieder die gnadenlose Power zurück ins Spiel und den Metal dahin zurück, wo er hingehört. So und nicht anders sollte Metal sein: aggressiv, straight, ohne trällernde Meerjungfrauen und junge Pfadfinder.

Katrin:
Du teilst dir ja zusammen mit Gitarrist Corbin den Job, die Texte zu schreiben. Was ist nun in der Regel zuerst da? Die Worte, die Idee für ein Thema oder die Musik selbst? Und ich frage mich, ob es nicht schwieriger ist, zusammen gescheites Textwerk zu schreiben, anstatt sich allein allein daran zu setzen!?

Kate:
Das kommt immer auf die Situation an, manchmal inspiriert eine Textidee die Komposition und manchmal erweckt eben die Musik ein bestimmtes Gefühl, über das es sich zu schreiben lohnt.

Katrin:
Corbin ist ja ein sehr guter Songwriter und ein großartiger Musiker, aber gibt es auch für die anderen Bandmitglieder irgendeine Möglichkeit, am kreativen Prozess des Komponierens bei VAINGLORY teilzunehmen?

Kate:
Da kann ich nur eine einfach Antwort geben: Bei uns macht definitiv jeder mit und trägt etwas zu den Songs bei.

Katrin:
Okay, dann hab ich das im Booklet wohl falsch gelesen. Hast du einen Lieblingssong auf dem “Vainglory”-Album? Ich habe da so einige: ‘Face of death’, weil das so ein schöner Arschtreter-Song ist, ‘Undying love’, da diese Halbballade mal eine ganz andere, dennoch glaubwürdige Seite von euch zeigt, und dann natürlich noch ‘Burdened’, zu welchem ihr auch ein Video gedreht habt. ‘Burdened’ ist wohl der kompakteste und auch einer der intensivsten Songs, man sollte nicht diesen großartigen Chorus und die Lyrics unerwähnt lassen. Letztere gefallen mir ausgesprochen gut, die Worte wirken auf mich und wohl auch viele andere Metalheads wie eine ermutigende Hymne, die eurer Bandphilosophie völlig gerecht wird.

Kate:
Also mein persönlicher Lieblingssong hier ist ‘Blackened soul’. Das war die letzte Nummer, die wir geschrieben haben, und live ist sie am aggressivsten, da wird der “Pantera-Tiger” in mir zum Leben erweckt! Das wird wohl auch so in etwa die Richtung sein, der wir uns auf unserer kommenden CD verstärkt widmen werden. Corbin schrieb dazu den Text. Es ist ziemlich cool für mich, wenn ich mal aus meiner eigenen Haut schlüpfen kann, um etwas zu singen, worüber ich nie geschrieben hätte. Das ist wie bei einem Schauspieler, der den Bösewicht mimt.

Katrin:
Und dann wäre da noch ‘Decapitation attack’, ein höllisches Instrumental mit einer absolut genialen Leadmelodie! Aber nichts gegen deinen Gesang, Kate….!

Kate:
Nein, da bin ich dir nicht böse, im Gegenteil: Corb ROCKT! Er ist ein ganz erstaunlicher Gitarrist.

Katrin:
Wenn das jemand sagt, der auch mit Chastain arbeitet, ist es wohl wirklich ein Kompliment. Ich habe etwas darüber gelesen, dass ihr von Halford “Resurrection” covern wolltet. Was ist daraus geworden, warum ist der Track nicht auf eurem neuen Album gelandet?

Kate:
Weil wir Halford dafür hätten bezahlen müssen, den Song veröffentlichen zu dürfen, und das wollten wir nicht. Aber er sollte sich unsere Version unbedingt mal anhören, dann würde er seine Meinung vielleicht ändern. ICH LIEBE ROB HALFORD!!

Katrin:
Leider gibt es immer nur sehr spärliche News über Chastain, besonders in Deutschland ist der Herr ja nicht so bekannt. Bist du immer noch in seiner Band? Er hat doch vor kurzem erst ein Soloalbum ohne Sänger veröffentlicht, oder?

Kate:
Mal sehen, wer weiß, ob wir nicht in Zukunft wieder was zusammen machen. Er zieht jetzt sein Blues-Ding durch und ihm scheint es zu gefallen. Jeder muss halt tun, was ihm Spaß macht. Wenn wir wieder mal aufeinander treffen, dann ist das super, aber da gibt es keinerlei feste Absprachen oder Termine.

Katrin:
Was Corbin angeht, so spielt er ja noch in einer weiteren Band namens Kinrick. Was kannst du uns darüber erzählen? Ist Kinrick eine Art Nebenprojekt und VAINGLORY die Hauptband oder werden beide Bands gleichwertig behandelt?

Kate:
Viel kann ich dir dazu nicht sagen, aber Kinrick ist keine Band, das war mal wieder so ein Studioprojekt, für welches Corbin bezahlt wurde.

Katrin:
Mein Kollege Martin verglich Corbin in seinem Review zur aktuellen Scheibe mit Testaments Alex Skolnick and ex-Metal Church-Gitarristen John Marschall, was natürlich in höchstem Maße anerkennend gemeint ist. Was meinst du, haben diese beiden Corbin in seinem Gitarrenspiel beeinflusst?

Kate:
Corbin ist ein RIESIGER Alex Skolnick-Fan, er wird Martin also für diese Äußerung lieben. Er ist gerade nicht zu Hause, aber ich werde das weiterleiten… Danke, Martin!

Katrin:
Welche Bands würdest du als deine größten Helden bezeichnen?

Kate:
Metallica, Testament, Megadeath, Halford

Katrin:
Welche war die letzte CD, die du dir gekauft hast?

Kate:
Das war die neue Trivium.

Katrin:
Was hältst du von Benedictum? Die haben ja voriges Jahr ein ähnlich geiles Album, auch “female-fronted real metal”, veröffentlicht. Ist die Zeit nun endlich (wieder) gekommen, wo Ladies gesanglich richtig Arsch treten?

Kate:
Benedictum? Oh ja, die kenne ich, ich liebe die Band.

Katrin:
Zum guten Schluss: Gibt es Tourpläne? Irgendwelche Festivalauftritte? Kommt doch mal nach Europa, besser noch: nach Deutschland!

Kate:
Ja, ich hoffe doch, dass das eines Tages möglich sein wird. Ich weiss aber noch nichts von irgendeiner Europa-Tour. Es wird demnächst ein „Female Metal Fest“ geben und da werde ich Doro das erste Mal treffen. Ich bin schon total aufgeregt!

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