

SALTATIO MORTIS haben mit “Wer Wind Sät” ein neues Meisterwerk erschaffen, und auch der kommerzielle Erfolg gibt der Mittelaltertruppe Recht. Wir baten um ein Gespräch und hatten mit Lasterbalk dem lästerlichen einen der kreativen Köpfe der Truppe im Dialog.
Mit “Wer Wind Sät“ habt ihr euch wieder ein Stück weiterentwickelt, die mittelalterlichen Instrumente sind nicht mehr so dominierend wie noch auf „Aus der Asche“. Ist dies aus Zufall entstanden? Seht ihr das gar nicht so?
Ich sehe das eigentlich gar nicht so! Eher in Gegenteil, wir haben auf ”Wer Wind saet“ auch viele spannende historische Instrumente eingespielt, die deutliche Songtragende Passagen haben. Außerdem haben wir viel mehr Abwechslung bei den mittelalterlichen Instrumenten, neben Bouzouki und den Marktsäcken haben wir zum Beispiel ausgefallene Instrumente wie eine Uilleann Pipe, ein Hümmelchen oder eine Lavta in sehr markanten Stellen eingebaut!
Ich denke, mit “Aus der Asche“ habt ihr die Messlatte für zukünftige Veröffentlichungen aus dem Hause SALTATIO MORTIS bereits sehr hoch gelegt. Saht ihr euch nun im Zugzwang, den übermächtigen Vorgänger von “Wer Wind Sät“ zu übertreffen?
Klar will man immer bessere Alben schreiben, aber eben nur in zweiter Linie. In erster Linie geht es doch um Musik, um gute Songs und darum etwas zu sagen zu haben! Ich glaube es liegt letztlich sowieso im Auge des Betrachters, wem welche unserer CDs am besten gefällt und das ist auch gut so!
Auffallend ist auch, dass “Wer Wind Sät“ schon wieder ganz anders klingt als eure bisherigen Werke. Nehmt ihr euch beim Songwriting vor, immer ein wenig anders zu klingen? Oder ist das ein ganz natürlicher Vorgang?
Wir haben schon zu jeder CD eine klare Vorstellung was wir damit wollen und auch wie sie klingen soll und ja, das verändert sich von CD zu CD auch immer wieder – so bleibt es spannend mit uns
Aber davon unabhängig entwickeln wir uns natürlich auch immer weiter und alleine das sorgt schon für eine Veränderung des Klangs …
Bei dem Track “Salome“ habt ihr prominente Unterstützung von Doro Pesch (DORO, WARLOCK) erhalten. Wie kam hier die Zusammenarbeit zu Stande? Ist Doro vielleicht sogar ein Fan von euch oder umgekehrt?
Nach dem wir die erste Version von Salome vorproduziert hatten, kam unser Bruder Frank mit der Idee an, wir sollten die Passagen von Salome doch von einer Frauenstimme singen lassen. Da sich Alea hartnäckig gegen einen kleinen chirurgischen Eingriff wehrte, haben wir uns überlegt, wer denn unserer Salome die Stimme leihen könnte. Dabei waren wir sehr schnell bei Doro, als unserer Favoritin. Somit schrieben wir ihr eine Mail und schicken ihr den Song zu. Sehr zu unserer Freude, hat ihr das Lied sehr gut gefallen und so kam es zur Zusammenarbeit.Neben Doro hat in ”Salome” auch Michael Popp von Qntal eine Lavta, eine orientalische Laute, eingespielt.
Natürlich sind die Geschmäcker unterschiedlich, aber Salome haben die Leute stimmlich evtl. ein wenig graziler in den Köpfen, als Doro mit ihrer eher rauchigen Stimme. Im Refrain macht die Dame es natürlich wieder wett. Stand von vorneherein fest, dass Doro den Part von Salome übernehmen soll?
Das ist eine Frage der Interpretation. Wir wollten explizit keine zierliche sanfte Stimme für Frau, die kalt lächeln einen Mord fordert!
Manche Kritiker werfen euch ja vor, hinsichtlich des Songwritings teils recht einfache Strukturen zu benutzen (Strophe-Refrain-Strophe). Eure Fans geben euch allerdings Recht. Wie geht ihr mit so einer Kritik um?
Tja, wie gehe ich mit Kritikern um? Ich lese das alles aufmerksam und höre auch sehr genau zu. Leider ist die Anzahl der qualitativ hochwertigen und damit auch verwertbaren Kritiken sehr dünn gesät. Ich fürchte, dass die meisten Kritiker ihren persönlichen Geschmack mit Objekivität verwechseln. Ich denke nicht, dass man uns auf “Wer Wind saet“ einfache Songstrukturen vorwerfen kann. Die Arrangements sind exzellent durchdacht und sehr abwechslungsreich. Leider habe ich die Erfahrung gemacht, dass die meisten Kritiker sich lieber in Vorurteilen ergehen, als sich tatsächlich sich mit einem Werk auseinanderzusetzen.
Die Songinhalte werden größtenteils durch dich eingebracht. Wo nimmst du die Themen und die Inspirationen her?
Im wesentlichen schreibe ich nur auf was das Leben sowieso jeden Tag bietet. Wenn man intensiv lebt und die Augen ein bisschen aufmacht ist die Welt voller Geschichten und Ideen
Wie mittlerweile bereits bekannt sein sollte, ist “Wer Wind Sät“ auf Platz 10 der Media Control Charts eingestiegen. Wie habt ihr den Augenblick, in dem ihr die Nachricht gehört habt, zugebracht?
Ich lag ermattet im Bett und wollte eigentlich den ganzen Tag auch nicht mehr aufstehen. Wir hatten an diesem Montag einen echten Marathon hinter uns gebracht mit 3900 km, 14 Shows in 11 Städten und das ganze an 10 Tagen. Als mein Telefon klingelte und ich Nachricht erfuhr war ich hell wach und bin dann doch noch losgezogen …
Nach dem großen Erfolg darf man natürlich besonders auf die anstehende Tour gespannt sein, die euch durch ganz Deutschland führen wird. Was dürfen die Fans dort von euch erwarten?
Wir freuen und schon sehr auf die Tour, die ja schon am 1.10. in Frankfurt starten wird. Wir haben natürlich eine Menge neuer Songs von Wer Wind saet im Gepäck, aber auch die alten Lieblinge werden wir natürlich nicht vergessen! Wir haben eine sehr schicke neue Lichtshow dabei und worauf ich ganz besonders freu ist auf die Umbau- und Aftershowmusik! Wir haben nämlich einen befreundeten Konzertpianisten überreden können uns einige Songs als klassische Klavier Stücke einzuspielen …
Dann haben wir mit Feuerschwanz und Honigdieb zwei tolle Vorbands dabei und natürlich jede Menge gute Laune …
Eure Fanbasis besteht ja bekanntermaßen aus ganz unterschiedlichen Genres des Rocks. Es finden sich Punks, Metaller, Hard Rocker und Co. unter den Zuschauern. Wie seid ihr eigentlich musikalisch ausgerichtet?
Genauso bunt
Wie steht es mit euren musikalischen Mitstreitern wie SCHELMISH, LETZTE INSTANZ, CORVUS CORAX und Co. Kennt man sich untereinander? Schätzt man sich? Oder geht ihr hier eher getrennte Wege?
Natürlich kennen wir uns alle, man sieht sich ja auch jedes Jahr mehrfach auf den einschlägigen Festivals. Und auch da ist es wie überall im Leben einige mögen sich mehr, andere weniger.
In den letzten Jahren ist die Mittelalterszene geradezu explodiert, ihr wart unter dem Banner von SALTATIO MORTIS bereits seit 2000 dabei. Gibt es, mit Ausnahme größerer Zuschauerzahlen, irgendwelche Veränderungen der Szene seit eurer Gründung?
Ich sehe da keine dramatischen Veränderungen, letztlich ist es immer noch eine recht kleine Szene, in der die Uhren immer noch anders ticken!
In der Vergangenheit habt ihr oft die E-Gitarren zu Hause gelassen und rein akustische Auftritte absolviert, was meiner Information nach in den letzten Jahren immer weniger wurde. Gehören diese Auftritte (und Alben) der Vergangenheit an?
Wo hörst du denn sowas? Das ist mit Verlaub absoluter Blödsinn. Wir spielen nach wie vor sehr gerne und sehr viele Akustikshows. Wir haben gerade drei Shows mitgeschnitten und werden nächstes Frühjahr einen Nachfolger zu der altehrwürdigen Manufactum präsentieren. Oh, und auch für nächstes Jahr sind schon über 25 (!) Akustikshows bestätigt! Wir mögen nach wie vor beides und nach wie vor trifft man uns auch hin und wieder an der Straßenecke Musik machen!