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Was soll ich zur neuen CD sagen? Trotz mehrerer Hördurchgänge und des mittlerweile geschriebenen Reviews bin ich nach sie vor über die Radikalität verwundert. „Schlafes Bruder“ war sicherlich schon eine harte Nuss und für euch ein Stück harte Arbeit. Was ist euch durch den Kopf gegangen, als es zur Erstellung von „Kwin tes sens“ gegangen ist?
JF: Eine neue CD ist auch immer ein Eindruck dessen, was einen in dem Moment beschäftigt. Die Themen der neuen CD sind Metaphern und im Endeffekt Themen unseres Lebens, die eigentlich jeden was angehen. Jeder muss sterben, leiden, wir verstricken uns Schuld, dass ist unsere Grundsituation, die ständigen Bedrohungen und im Ende scheitert doch alles. Auch wenn es im Leben gewisse Zuverlässlichkeiten gibt und es uns augenscheinlich gut geht, ist das Ende doch wieder schwere Arbeit.
Das war die einfache Variante der Geschichte. Warum habt ihr das ganze so kompliziert gestaltet? Es gibt Zitate von u. a. Schoppenhauer, textliche Aussagen, die erst langsam ihre Wirkung zeigen. Anscheinend geht es auch einfacher.
JF: So einfach kann man das nicht machen. Dafür haben wir einen anderen Anspruch.
Dieser Anspruch sei euch gegönnt. Bloß, für wen habt ihr die CD den gemacht? Für euch oder wer soll die sicherlich gut gemachten Überlegungen noch verstehen? Die Nachvollziehbarkeit ist das hauptsächliche Problem des Konzeptes.
JF: Es war sicherlich nicht unser Ziel, alles möglichst unverständlich oder schwierig zu gestalten. Natürlich ist es schon ein Stück Arbeit, sich mit dem musikalischen wie textlichen Inhalten auseinanderzusetzen. Ich glaube auch, dass es für jeden Menschen und seine Entwicklung von Bedeutung ist, wie er von solchen Themen erfährt und wie er es erfährt. Im Prinzip geht es bei dem Konzept der neuen CD um eine Reise zu den Grenzen des da seins und das ist keine seichte Unterhaltung. Das ist unglaublich hart, zerstörend und trotzdem denke ich, dass eine sehr große Sehnsucht nach solchen Themen gibt. In der Black und Death Metal Szene gibt es diese extreme Suche nach Grenzen, auch nach Grenzen des Wahrnehmens und Verstehens.
Wäre es nicht um vielfaches einfacher gewesen, sich zwischen Black wie auch Death Metal musikalisch zu bewegen, was für den einen oder anderen auch die Nachvollziehbarkeit der CD besser verständlich gemacht hätte?
JF: Ich bin kein unbedingter Fan dieser beiden Stile, weil so wie diese beiden Extreme praktiziert werden, ist das für mich weniger interessant. Ich kann damit evtl. noch meine Oma erschrecken, aber die Themen, die in diesen beiden Musikrichtungen verwandt werden, sind keine, die die Menschen wirklich was angehen.
„Kwin tes sens“ ist auf eine auf eine andere Art und Weise musikalisch extrem. War bei der ersten CD „Evening in Valhalla“ alles noch sehr einfach, das darauf folgende „Schlafes Bruder“ war schon etwas komplizierter. Derzeit besteht die Band nur noch aus deinem Bruder und dir, somit könnt ihr euch ohne Rücksicht auf Verluste richtig austoben, es gibt keine Grenzen mehr.
JF: Für die Komposition der Musik war schon immer ich zuständig, wobei unser Anspruch nicht der ist, bei jeder neuen Veröffentlichung den Grad der musikalischen Verrücktheit in noch größere Dimensionen zu treiben. Wir suchen nach Themen, beginnen mit den Kompositionen und dann daraus entstehen Dinge, die uns sehr gut gefallen. Extreme Musik kann nur mit Extremen beschrieben werden.
Jede neue CD ist eine Ansammlung unterschiedlicher Ideen. Wie habt ihr die einzelnen Titel der CD erarbeitet?
JF: Das ist ein sehr organischer Prozess. Wobei alles sehr langsam entsteht, weil es eben keinen Masterplan gibt, dass der eine Titel so oder der nächste wieder anders ausfallen muss. Es gab auch Phasen, wo alles über den Haufen geworfen wurde, weil wir uns in die falsche Richtung bewegt hatten. Die Endstehung der CD unterscheidet sich im wesentlichen nicht groß von den anderen. Wir haben uns zusammengesetzt, Texte geschrieben, alles erarbeitet.
Welchen Vorteil hat es für euch, nur noch als Duo zu fungieren?
JF: Nicht sehr viele! Allerdings haben wir die ehemaligen Mitmusiker nicht einfach an die frische Luft gesetzt, dafür gab es bei fast im jeden Gründe, die zur Trennung von der Band geführt hatten. Trotzdem sind wir weiterhin daran interessiert, live zu spielen.
Lässt sich das neue Material überhaupt live umsetzen? Wollt ihr da präsentieren, wo die Zuhörer bei Pfeifchen und Rotwein andächtig schweigen und zuhören?
JF: Musikalisch auf alle Fälle, schwierig ist es nur, den passenden Schlagzeuger dafür zu finden. Einiges kann anders arrangiert werden. Ich denke auch, dass wir uns auf ganz normalen Metalfestivals behaupten können.
Als Kurzbeschreibung für die neue CD verwendet ihr die Worte „Avangardistisch“ und „Nihilistisch“.
JF: Das steht für das, was wir musikalisch und textlich behandeln. Gewagte Sachen eben.