

Wir befinden uns hier im Backstageraum des Columbiaclubs, in dem COPPELIUS gerade ein sehr schönes Konzert gegeben haben, und der Herr Comte Caspar hat sich bereit erklärt, ein paar Fragen bezüglich des anstehenden Albums zu beantworten, und erzählt uns auch die eine oder andere Anekdote.
BDNB: Hat ihnen das Konzert gefallen?
Comte Caspar: Ja, es war sehr schön. Es waren ja sehr viele Leute da, es war sehr voll und es herrschte eine sehr gute Stimmung, und da macht das Spielen natürlich viel Spaß.
BDNB: Was mich sehr gefreut hat, war, dass es ein neues Stück gab, „Habgier“, das mir sehr gut gefallen hat. Seit wann führen sie dieses Stück auf?
CC: Seit heute. Gestern haben wir es in Gera in einer öffentlichen Generalprobe gespielt und heute war dann sozusagen die Premiere.
BDNB: Die man ja durchaus als gelungen ansehen kann. Bevor es weiter um das neue Album geht, vielleicht noch ein, zwei Fragen zum heutigen Konzert. Was eine große Überraschung war, war ihre Version von „Killers“, dem letzten Song. Kann ich davon ausgehen, dass das eine Urversion war?
CC: Die Version heute Abend war für uns auch eine sehr große Überraschung. Wir haben ein paar spontane Variationen eingebaut. Insofern war es heute nicht die Urversion, die wir gespielt haben, aber diese stammt natürlich nichts desto trotz von uns.
BDNB: Ebenfalls auffällig war die Auswahl der Vorbands. Im Gegensatz zu dem Konzert vor knapp einem Jahr, wo sie nur von Fuisde unterstützt wurden, handelte es sich heute ja um zwei doch recht namhafte Bands. Ist es Zufall, dass diese Bands auch auf dem Hexentanz Festival gespielt haben?
CC: Ja, ich denke schon, dass es Zufall ist, dass diese Bands mit uns auf dem Hexentanz Festival gespielt haben. Und auf so manchen Festivals treffen sich die Kapellen dann öfters, und dann kommt man miteinander ins Gespräch und beschließt, dass man doch unbedingt mal ein Konzert gemeinsam spielen müsste. Und so entsteht dann solch ein gemeinsames Konzert.
BDNB: Jedenfalls fand ich, dass die beiden Kapellen einen das Auditorium sehr gut warm gemacht haben. Sehen sie das auch so?
CC: Ja, man kann nicht klagen: Das Publikum hat uns lautstark und freudig begrüßt, gleich als wir die Bühne betreten haben.
BDNB: Dann kommen wir zum neuen Album. Darf ich erstmal nach dem Stand der Dinge fragen? Wie weit sind sie mit dem Album?
CC: Das Album ist komplett fertig und wird gerade gepresst. Es sind sogar einige von Hand gezogene Aufnahmen verschickt worden, damit man hier und da eine Kritik darüber lesen kann oder es vielleicht auch mal im Radio vorgespielt bekommt.
BDNB: Meinen sie denn, das diese Stücke wirklich im Radio präsentiert werden? Ich persönlich habe COPPELIUS noch nie im Radio hören dürfen.
CC: Wir leider auch noch nicht. Aber das könnte sich ja mit dem neuen Album ändern.
BDNB: Der Name des Albums ist „Tumult“. Wie kam es zu diesem Namen? Haben sie einfach an eine Szenerie auf einem COPPELIUS Konzert gedacht?
CC: Teils, teils, die Assoziation liegt natürlich nahe, der wahre Grund jedoch war, dass dem Grafen Lindorf bei einem Konzert in Frankfurt der Zylinder gestohlen wurde, und daraufhin ein solcher Tumult ausbrach, dass alle anderen Namensvorschläge sofort über Bord geworfen wurden, wir das Album umbenannt haben, eine neue Vorderseite gestaltet haben, und das alte Material musste eingestampft werden. Das Album ist jetzt jedoch fertig und wird ab Ende Januar erhältlich sein. Wir sind alle begeistert und sehr stolz auf das Werk, außer Max Coppella, der nur noch allein sein möchte und sich mit nahezu allen Musikern gestritten hat, weil er nicht alle Soli einspielen durfte und auch nicht alles singen durfte. Nun, er war sehr schnell beleidigt.
BDNB: War das bei den Aufnahmen zum letzten Album auch schon der Fall, oder ist das eine neue Erscheinung?
CC: Zur Zeit des letzten Albums hat er sich eher noch zu benehmen gewusst. Jetzt lässt er sich ganz und gar gehen. Ob das mit dem tumultigen Album zu tun hat? Ich weiß es nicht…
BDNB: Darf man daraus schließen, dass eine gewisse Belastung auf dem Aufnahmeprozess lag, oder lief das alles frei?
CC: Bis auf Max Coppellas gelegentliche Tobsuchtanfälle, bei denen er stundenlang schreit und man nicht aufnehmen kann, weil eine gewisse Unruhe entsteht, nein.
BDNB: Bei einer so speziellen Kapelle, die so spezielle Musik spielt, wie Sie das tun, erwartet man natürlich, dass sie ihr Album selbst produziert. Ist das der Fall, oder haben sie sich da Jemanden dazugeholt?
CC: Nun, wir wissen ja nicht, was für Knöpfchen wir da drehen sollen. Da würden wir nur alles falsch machen. Deshalb haben wir die Herren Trosien und Dirty D. beauftragt, uns diese Arbeit abzunehmen, und haben uns am Ende jedes Abends die Ergebnisse vorspielen lassen, und haben sie mit nützlichen und höflich gemeinten Hinweisen unterstützt, die Arbeit am nächsten Tag von vorne zu machen. Das ging so einige Wochen…und noch einige Wochen… und nach noch einigen Wochen war das Ergebnis dann zufriedenstellend.
BDNB: Das klingt nach sehr hohen Ansprüchen, was die Produktion angeht.
CC: Ja, das Publikum von heute ist sehr verwöhnt. Was man mit den elektrischen Klangerzeugern alles für Krach erzeugen kann! Das ist mit unserem, wenngleich schöneren und musikalischeren, Instrumentarium leider nicht möglich, und darum benötigen wir mehr Zeit, um mit unseren Instrumenten mehr Krach zu machen.
BDNB: Als ich in Vorbereitung auf dieses Interview mal in ihrer Diskographie geblättert hab, ist mir aufgefallen, dass der Song „Schöne Augen“ bisher nicht verarbeitet wurde, zumindest nicht offiziell. Hab ich da was übersehen oder steht da etwas an?
CC: Ja, sie haben übersehen, dass Ende Januar ja das neue Album „Tumult“ kommt, und darauf wird auch dieses Stück zu hören sein. Es ist eines der wenigen bereits bekannten Stücke.
BDNB: Wird es auch weiterhin Uraufführungen von bereits bekannten Stücken geben, wie z.B. auf einer ihrer Demos „1916“ von Motörhead?
CC: Die Uraufführung zu „1916“ war ja bereits…
BDNB: Ja, aber ich meinte eigentlich, ob es weiterhin Uraufführungen von Stücken geben wird, die andere Künstler bereits veröffentlicht haben…
CC: Ach so, nun ja, vielleicht kann ich so viel verraten: „Rightfull King“(Bekannt geworden durch The Inchtabokatables Anm. des Verfassers) ist ihnen ja bekannt. Das wird ebenfalls zu hören sein, allerdings nicht, wie gewohnt, von Bastille gesungen, sondern wir konnten Eric Fish, der ja bei Subway to Sally singt, dafür begeistern, das Stück zu spielen. Es gab nur ein Problem: Es musste sich zu der Zeit, zu der Eric Fish aufgenommen hat, Frau Schmidt, die Violinistin von Subway to Sally, im Schrank verstecken, weil sie bereits beim Aufnehmen für eine andere Komposition war, und dann kam Herr Fish, und die beiden durften sich nicht sehen, weil sie beide unter verschiedenen Ausflüchten derselben Probe ferngeblieben waren. Nun, um aber zurückzukommen zu „Rightfull King“, wir haben einen Cellisten dafür begeistern können, eine Solostimme in diesem Stück zu spielen, mit dem auch Eric Fish in der Vergangenheit häufig zusammengearbeitet hat, nämlich B.Deutung, den sie vielleicht von den „Inchtabokatables“ her kennen.
BDNB: Nun, das klingt ja schon mal sehr interessant. Ich gehe dann davon aus, dass “Tumult” auf schweißtreibenden Konzerten wie dem eben präsentiert werden wird. Sie haben ja auch bereits angesagt, dass es im April eines geben wird. Wie sieht es denn weiter in den Sommer hinein aus? Werden sie wieder Konzerte unter freiem Himmel wie auf dem Hexentanzfestival geben?
CC: Sicher! Im Frühjahr werden wir die Städte bereisen, und im Sommer ist die Temperatur angemessen für Freiluftkonzerte.
BDNB: Ihre Kapelle existiert ja nun schon seit über 200 Jahren, und da ist sicherlich auch der eine oder andere Wunsch in Erfüllung gegangen, aber gibt es noch Kapellen, mit denen es sie reizen würde, aufzutreten?
CC: Ja, sicher, das Problem ist, viele dieser Künstler, mit denen wir gerne einmal zusammenarbeiten oder ein Konzert bestreiten würden, sind bereits vor 50, 100 oder mehr Jahren verstorben. Tja, man wird ja nicht jünger, und es ist ein gefährliches Geschäft, das Musikgeschäft, da können schon mal Unglücksfälle passieren…lassen sie uns von etwas Angenehmeren reden als von Musikerunglücken…
BDNB: Okay, aber wenn wir schon bei anderen Kapellen sind, können sie uns einen Einblick in die Plattenschränke von ihnen und den anderen Mitgliedern von COPPELIUS gewähren?
CC: Das ist ganz unterschiedlich. Der eine hört lieber leichte Sonaten, der Andere hört ausschließlich Sinfonien, manch einer hört überhaupt nichts, nun, und Herr Max Coppella gibt es nicht zu, aber ich glaube, ich habe in seiner Plattensammlung Werke von Arnold Schönberg gesehen… aber sprechen sie ihn nicht darauf an, er wird es doch nur leugnen.
BDNB: Ist das denn etwas wofür man sich schämen muss?
CC: Nun ja, sicherlich ist die verwendete Zwölftontechnik nicht für jedermanns Ohr ein Schmaus, und Sie werden sich sicherlich bereits damit konfrontiert gesehen haben, dass dem Gemeinen Hörer diese Kunst zu abstrakt ist.
BDNB: Aber wenn wir mal kurz beim Plattenschrank bleiben, sie haben von Sinfonien und leichten Sonaten gesprochen. Das ist sicherlich nicht grundsätzlich die Musik, die ihre Anhänger bevorzugen. Gibt es denn auch etwas, nun ja, Aktuelleres, vielleicht auch Kurzlebigeres, was ihre Anhängerschaft oder zumindest ihren Respekt gefunden hat, irgendwer hat mal etwas von Iron Maiden erwähnt…
CC: Iron Maiden, ja, die unterstützen wir gerne einmal, indem wir auf Konzerten Lieder spielen, die von ihnen zuerst veröffentlicht wurden. Ja, und, Modernes, vielleicht ein Menuett, so etwas findet sich sicher auch in so mancher Notensammlung.
BDNB: Noch mal was ganz anderes, COPPELIUS ist ja nun eine Band, die schon sehr lange existiert. Ist da nicht vielleicht doch mal bei dem einen oder anderen Musiker der Wunsch vorhanden, musikalisch etwas anderes zu machen, also ein Nebenprojekt zu starten, und wäre neben COPPELIUS überhaupt Platz für so ein Nebenprojekt?
CC: Max Coppella möchte sich sicherlich noch in einigen Soloprojekten verewigen, ich kann mir vorstellen, dass er bereits mehrere Tonträger aufgenommen hat und sie heimlich unter einem Pseudonym veröffentlicht hat, damit wir nichts darauf aufmerksam werden.
BDNB: Würden sie denn etwas dagegen haben?
CC: Würden sie es schon gehört haben, würden sie auch etwas dagegen haben. Aber sprechen sie ihn nicht darauf an, er wird es doch nur leugnen.
BDNB: Es sprießen ja aktuell sehr viele junge Kapellen aus dem Boden, haben sie für diese Kapellen noch einen Ratschlag, wie man sich so lange im Musikgeschäft halten kann? Abgesehen vom coppelianischen Jugendtrank natürlich…
CC: Meine Herren - es sind ja meistens Herren - schlafen sie ausgiebig, bewegen sie sich an der frischen Luft und trinken sie Tee. Der Herr Nobusama würde ihnen noch tägliche Meditation raten, aber das ist ja auch nicht jedermanns Geschmack.
BDNB: Damit wären wir auch schon am Ende dieses Gesprächs. Haben sie für die Leser noch ein Schlusswort aus ihrer Lebenserfahrung?
CC: Ich bedanke mich für die Befragung, werther Herr. Ein Ratschlag für das Auditorium:
Sollten sie sich duellieren, nehmen sie einen Arzt mit, der ausgebildet ist!
Haben sie vor, eine Komposition zu stehlen, führen sie sie nicht auf, wenn der wahre Komponist sich in der Nähe befindet! Hochverehrtes Auditorium - COPPELIUS HILFT!
BDNB: Vielen Dank.