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ROSS THE BOSS - New Metal Leader

AFM Records
2008

Kennt ihr Ross Friedman? Nö, kennt ihr nicht? Aber ROSS THE BOSS kennt ihr, oder? Na klar, denn dieser Name ist auf alle Ewigkeiten verknüpft mit unsterblichen Heavy-Metal-Klassikern wie “Into Glory Ride”, “Hail To England” und vor allem “Kings Of Metal”. Nach seinem Abgang bei MANOWAR versuchte Ross mit MANITOBA’S WILD KINGDOM Fuss zu fassen, die zunächst ein tolles Album namens “…And You?” veröffentlichten, dann aber wieder in der Versenkung verschwanden. Ein Teil des Line-Ups inklusive Ross firmierte danach unter dem Namen THE DICTATORS, wovon jedoch zumindest hier zu Lande kaum jemand Notiz nahm. Schließlich tauchte der Chef vor ein paar Jahren bei der Hardrock-Combo BRAIN SURGEONS auf. Wer jetzt das Gefühl bekommen hat, dass sei alles irgendwie halber Kram gewesen, der liegt wohl nicht ganz so weit von der Meinung des Mister Friedman selbst entfernt. Wie sehr der Gute es jetzt wirklich noch einmal wissen will, erkennt man daran, dass er wieder unter seinem alten Kampfnamen ROSS THE BOSS antritt und sein neues Album einfach mal “New Metal Leader” getauft hat. So macht man Führungsansprüche geltend.

Interessanterweise besteht die aktuelle ROSS THE BOSS-Band aus Musikern der in Fachkreisen hoch geschätzten deutschen Underground-Formationen IVORY NIGHT (Patrick Fuchs am Mikro sowie Tieftöner Carsten Kettering) und DIVINUS (Trommler Matthias Mayer). Das verwundert allerdings nur diejenigen, die nicht wissen, dass dies auch die Besetzung der Cover-Band MEN OF WAR ist. Wer auch immer da sonst noch mitmischt, als alter MANOWAR-Fan geht man sicher automatisch mit einer gewissen Grundsympathie und Vorfreude an ein Album heran, auf dem ROSS THE BOSS steht. Der Einstieg gelingt mit ‘Blood Of Knives’ und ‘I Got The Right’ auch hervorragend, das sind wunderbare, eingängige Metal-Hymnen mit Killer-Hooklines, ganz nach meinem Geschmack. Das kommt erfreulich unverbraucht und frisch aus den Boxen, das macht Spaß. Wenn doch nur die ganze Platte so klingen würde! Nicht dass Ross von der Marschrichtung “Epischer, gradliniger Heavy Metal” signifikant abweichen würde, doch über weite Strecke fehlt ihm eben der letzte Tick Leidenschaft und Power. So manche Nummer wirkt fast vorsichtig komponiert, ja geradezu halbherzig, und die Spannungsbögen sind längst nicht immer tragfähig. Ein “New Metal Leader” klingt für mich jedenfalls anders. Zudem passen die Vocals des eigentlich sehr talentierten Patrick Fuchs stellenweise nicht wirklich zu den Songs.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: diese Scheibe ist alles andere als schlecht, kann aber eben die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Am besten zündet das Material dann, wenn ohne groß nachzudenken drauflos gespielt wird, wie in ‘Death & Glory’ zum Beispiel, das in den Strophen ein wenig an das MANITOBA-Album erinnert. Doch wenig inspirierende, ziemlich blutarme Hard-Rock-Songs wie ‘Plague Of Lies’ oder ‘May The Gods Be With You’ lassen mich immer wieder etwas ratlos zurück. Auch der versuchte Rückgriff auf MANOWAR-Zeiten bei ‘God Of Dying’ glückt nur sehr bedingt. Gegen Ende nimmt “New Metal Leader” noch mal Fahrt auf mit der treibenden Power-Hymne ‘We Will Kill’ und der Midtempo-Nummer ‘Matador’, die sehr schöne Gesangsmelodien enthält und das beste Ross-Solo dieser Platte. Doch erst der majestätische Rausschmeißer ‘Immortal Son’ erreicht wieder das Niveau der ersten beiden Tracks.

Irgendwie schade das Ganze, hier wäre eigentlich mehr drin gewesen. Oder eben doch nicht? “New Metal Leader” ist eine nette, ehrliche Metal-Scheibe, die man sich durchaus mal anhören kann. Von einem weiteren Klassiker im Lebenswerk eines ROSS THE BOSS ist dieses Album jedoch meilenweit entfernt. Es gibt sie ja durchaus, diese Momente, in denen die Genialität früherer Tage aufblitzt. Aber leider zu selten. Abschließend möchte ich zu bedenken geben, dass meine sieben Punkte für “New Metal Leader” wohl möglich einen Old-MANOWAR-Sympathie-Bonuszähler enthalten. Sagen wir einfach mal, dass ist der elfte Punkt, den ich für “Kings Of Metal” nie geben konnte, weil die typischen Zehner-Bewertungssysteme das nicht zulassen…

Rating: ★★★½☆

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