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WALTARI - Release Date

2007 Dockyard1
13 Tracks (1:10:55)

Fans der irren Finnen wurden in der Vergangenheit schon öfters auf die Probe gestellt. Fakt ist, dass man bei jedem neuen Album der Nordmänner gespannt sein darf, was einen erwartet. Doch eins ist von vorneherein klar: Was immer die Herren anpacken ist niemals von schlechter Qualität oder halbherzig. Dabei vereinen die Musiker Thrash-Riffs, elektronische Elemente und (verzeiht mir bitte) Pop-Strukturen.

Bereits der Opener „Get Stamped“ enthält all die genannten Eigenschaften. Dabei geht er direkt in den Kopf und brennt sich unweigerlich dort ein. Schlimm! Auch das klagende „Dig Sleep“ hat diesen Pop-Charakter und würde sicherlich auch seinen Weg in die Charts finden, wenn ordentlich Promotion betrieben werden würde. Eine nahezu schon im Speedmetal verankerte Nummer ist „Let´s Puke Together“. Gnadenlose Gitarrenriffs, außergewöhnlicher Gesang und treibende Drums – eine irre Nummer, bei der man merkt, was Gitarrist Sami Yli Sirniö bei KREATOR gelernt hat. Der nächste Song ist in der Geschichte von WALTARI wohl einzigartig und wird auch einzigartig bleiben. Denn mit dem Opus „Cityshamaani“, aufgeteilt in fünf Akte mit einer Spielzeit von insgesamt ca. 37 Minuten, haben WALTARI unter Garantie ein Werk geschaffen, an das sie so schnell nicht wieder herankommen werden können. Dieses Opus enthält sozusagen alles, was WALTARI ausmacht. Heftige Gitarrenriffs, jede Menge elektronische Elemente und ein verrücktes Songwriting. Es bedarf einiger Mühen, dieses Werk in Worte zu fassen, also macht euch lieber selbst ein Bild davon. Nach diesem großen Experiment geht es mit „Hype“ weiter. Die fröhliche Elektropophymne macht nicht nur den Hörern deutlich Spaß. Einfach Strange kann ich nur sagen. „THD (Lehtinen)“ ist da wieder gitarrenlastiger. Neben den Punk-Rock-Elementen kommen hier und da auch Brit-Pop-Einflüsse alá BLUR zum Vorschein. Geil sind die spacigen Keyboardeinlagen. Der grandioseste Titel des Albums ist definitiv „Sex In The Beergarden“. Ob dies wohl eine Hommage an die deutschen Biergärten ist? Wohl eher nicht, denn die Finnen sind mir in einem Biergarten noch nie begegnet. Der Song, der ganz klar von der Gitarre dominiert wird, teilt sich auf in den, ich sag jetzt mal, normalen Gesang und Dani Filth artigen Kreischgesang. Nichts desto trotz, die Gitarrenarbeit bei diesem Track ist einzigartig. Coole Nummer. Und mit „Wish I Could Heal“ haben WALTARI ihren wohl geilsten Chorus bzw. Refrain geschrieben. Die brachiale Nummer bildet für mich den Höhepunkt der Scheibe. Obwohl man das Gefühl hat, hier würde Prince teilweise singen, passt es doch zum Track. Die Bonusnummer „Spokebone“ hat etwas von Ronja Räubertochter. Der Chorus, der in finnisch dargeboten wird, und die klassischen Elemente in Form der Fiedel bestätigen diesen Eindruck. Der durchgängige Elektrobeat unterstreicht die Atmosphäre des Tracks. WALTARI haben dieses Stück mit ihren Landsleuten VÄRTTINÄ kreiert, welches, wie die anderen Stücke auch, sehr Vielschichtig ist.

Als Fazit bleibt mir eigentlich nur zu sagen, dass „Release Date“ (was für ein Titel) den WALTARI-Fans garantiert gefallen wird. Ebenfalls solcher Musikliebhaber, die offen für Experimente sind. Für den geneigten Metaller an sich bleibt es jedoch fragwürdig, ob ein Zugang zu den Stücken erfolgen wird. Wie dem auch sei, WALTARI sind ja berühmt dafür, in keine Schublade zu passen und trotzdem immer ihre Basis zu finden. Das wird sich mit „Release Date“ auch nicht ändern.

Rating: ★★★½☆

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