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Limb Music
2007
Wenn Promo-Beipackzettel besonders dick auftragen, wird mir immer angst und bange. So geschehen auch im Falle von PAGAN’S MIND. Diese großartige Band um Ausnahmesänger Nils K. Rue und Gitarrenmeister Jorn Viggo Lofstad entdeckte ich 2002, als das grandiose zweite Album “Celestial entrance” erschien. Diese Platte hat mich damals total umgehauen, weil sie völlig staubfreien, packenden Progressive Power Metal bot, der die technische Brillanz von Acts wie Dream Theater mit der Durchschlagskraft der klassischen amerikanischen Schule um Vicious Rumors oder Savatage und der klanglichen Wärme und Magie mittelalter Fates Warning verband. Wunderbare, herrlich übereinander fließende Kompositionen, große Melodien und ein sehr authentisch und schlüssig wirkendes Science Fiction-Konzept in den Texten: hier stimmte einfach alles. Durch die Vielseitigkeit, Spielfreude und Frische des Materials nutzen weder “Celestial entrance” noch der mehr als würdige, drei Jahre danach erschienene Nachfolger “Enigmatic: calling” in irgendeiner Weise ab, sondern begeistern mich heute noch wie am Tag des Einkaufs.
“God’s equation” nennt sich Studioalbum Nummer Vier der Norweger und ist laut eingangs erwähntem Werbeschreiben das absolute Meisterstück und mit Abstand beste Album der Truppe. So so, dachte ich mir und schob den Silberling voller Argwohn in den Player. Tatsächlich war ich nach den ersten beiden Durchläufen ziemlich geschockt. Zunächst fällt dem geneigten Hörer nämlich mal auf, dass der PAGAN’S MIND-Sound eine ganze Ecke härter, scheinbar hektischer, und irgendwie kühler geworden ist. Vor allem die Gitarrenarbeit ist um einiges druckvoller und bissiger ausgefallen. Man könnte sagen, der Touch Fates Warning ist durch ein Schäufelchen Nevermore ersetzt worden. Diverse elektronische Spielereien kommen stärker als gewohnt zum Zuge, was am Mitwirken von Rammstein-Produzent Stefan Glaumann liegen könnte, und der tolle Gesang von Nils ist verwirrend häufig mit seltsamen, verzerrenden Effekten verfremdet. Extreme Beispiele für diese neuen Elemente in der Musik sind das sich fast überschlagende ‘Atomic firelight’, das nach einer gewissen Gewöhnungsphase allerdings wächst und wächst und zu den Highlights der Platte gehört, und ‘Painted skies’, dessen Anfang mich total an einen Song vom fantastischen Beyond Twilight-Debüt erinnert.
Somit dauerte es doch eine Weile, bis ich den Zugang zu “God’s equation” fand. Inzwischen würde ich das neue Album qualitativ schon auf eine Stufe mit den beiden letzten stellen wollen, nur hat es halt einen anderen Charakter. Im Grunde ist es das ja auch, was man von einer großen Band erwartet, nämlich sich immer wieder neu zu erfinden, ohne an Klasse und Leidenschaft zu verlieren. Ich muss gestehen, dass ich mich persönlich emotional weiterhin mehr zu den harmonischeren, runderen PAGAN’S MIND-Alben hingezogen fühle. Dennoch begeistert, fasziniert und beglückt mich auch “God’s equation” in höchstem Maße. Das Niveau ist durchweg schwindelerregend hoch und die Intensität und Dichte des Materials raubt einem fast den Atem. Besonders anbetungswürdig sind in meinen Augen der mit überirdischen Melodien ausgestattete Titelsong, das bereits erwähnte, überschäumende ‘Atomic firelight’ (würde bestimmt auch Devin Townsend gefallen) und das in den Strophen ein wenig an den unsterblichen Nevermore-Vorläufer Sanctuary erinnernde ‘Evolution exceed’. Richtig groß wird es dann auch noch mal gegen Ende von “God’s equation” mit dem großartigen ‘Spirit starcruiser’, in dem unglaublich viel Aufregendes passiert, und der episch-hymnischen Meisterleistung ‘Osiris’ triumphant return’. Doch damit noch nicht genug: So ganz nebenbei avancieren PAGAN’S MIND auch zu einem ganz heißen Anwärter auf den Oscar in der Kategorie “Cover-Song des Jahres”. Die hier zu Gehör gebrachte Version des David Bowie-Klassikers ‘Hallo Spaceboy’ ist der Überhammer schlechthin!
PAGAN’S MIND haben also tatsächlich alles richtig gemacht, Größe bewiesen und einen mutigen Schritt nach vorne gewagt. Mit diesem härteren, moderneren Album, das dennoch alle Qualitäten der Band vereint, werden die Jungs hoffentlich einige neue Fans hinzu gewinnen können. Also hat das Promo-Team am Ende doch noch recht behalten: “God’s equation” ist tatsächlich eines der Prog-Metal-Highlights der Jahres. Freuen wir uns also auf die Tour im März 2008 und danken dem Metal-Gott auf Knien dafür, dass er uns PAGAN’S MIND geschenkt hat!!
Rating: 



