

Nuclear Blast werden 20 - an sich ja nicht gerade was weltbewegendes. Sollte man denken… Aber dem ist nicht ganz so. Das Label hat einiges im Programm, das die Metalwelt mit am drehen hält, Stratovarius und Hammerfall wurden dort großgezogen, Communic ausgegraben, Nightwish und die Children of Bodom geduldet - und auch Rage kamen unter - in ihrer wohl progressivsten Phase. Und genau deren Gittarist - Viktor Smolski, einer der begnadetsten seiner Zunft, genreübergreifend, hört euch seine Soloalben an, er lebt von Klassik über Jazz bis Metal alles - durfte zehn Sängern (alle derzeitige oder ehemalige Blastler) Nummern auf den Leib schneidern.
Los geht’s mit Tobias Sammet und einem der zugänglichsten und besten Songs des Albums - Dirty Wings; hätte vom Riffing her auf den letzten drei Rage-Alben stehen können (wie vieles auf der CD), bekommt aber durch Sammet einen ganz eigenen Anstrich. Er zeigt sein ganzes Spektrum, gefühlvoll, voluminös und hoch, der Chorus würde perfekt zu den neueren Edguy-Sachen passen. Ein ganz großer Sänger mit einer ganz großen Nummer.
Track zwei ist wesentlich brutaler, aber auch progressiver. Communic meets late Rage, sehr geiles Drumming (Andre Hilgers, unterbeschäftigt bei Axxis, als Terrana-Ersatz bei Rage eingestiegen, und er wird dessen Niveau halten können). Fiese Gitarren, tief und drückend. Dazu passend: Peavy, der mir stimmlich in den letzten Jahren immer besser gefällt, quasi das erste Lebenszeichen der neuen Rage. In diesem Song sticht ein grandioses Basspart hervor, der von einem der besten Smolski-Solo abgelöst wird.
Auf der drei eine flottere Nummer mit Piano-Einsprengseln, stratovariusähnlich ausgelegt, die Vocalline erinnert an Rage zu Ghosts-Zeiten (die Texte und Vocallines stammen bis auf zwei Ausnahmen von Peavy). Gut interpretiert von Toni Kakko (Sonata Arctica), der abwechslungsreicher singt als man es von ihm gewohnt ist.
Mats Leven (ex-Therion) mit dem Albumhighlight Death is Alive kommt als nächstes… Piano, Flöte, weibliche Backings, ein Thema für die Ewigkeit, das grandios aufgebaut wird. Darüber thront Leven. Smolski weißt einfach, wie man mit einem (in diesem Fall sehr guten künstlichen) Orchester umgeht, man hört seinen klassischen Stil. Ich liebe diese Nummer.
Nach dem bisher Langsamsten das bisher Brutalste - featuring Schmier von den ollen Thrashern Destruction an den Vocals. Dennoch spieltechnisch so verdammt grandios - wieder sticht der Bass heraus (von Smolski gezupft, bis auf die Drums stammt alles von ihm - wieder von zwei Nummern abgesehen). So würden sich wohl Destruction anhören, wenn sie musikalischer zu Werke gehen würden. Sehr eigen.
Doch lieber den Nächsten… Der blinde Hansi… Die Nummer, die ursprünglich von Viktors alter Band Mind Odyssey war, passt hervorragend zu den Blind-Guardian-Vibes, die Kürsch nun mal mit sich bringt, da stören auch die elektronischen Mini-Rammstein-Einflüsse nicht, im Gegenteil. Gefällt wieder sehr (wenn auch der eine oder andere Part in späteren Rage-Kompositionen wieder auftauchte… Man hört hier einfach, wo Smolski herkam). Mit dem Opener und der Leven-Nummer das bisher Stärkste.
Da kommt Deris mit seiner Nummer nicht hin, wohl auch, weil kompositorisch nichts Neues kommt. Powermetal mit typischen Tempospielchen usw. trotzdem eine tolle Nummer, nicht falsch verstehen. Der Refrain hätte auf das letzte Helloween-Album gepasst - oder noch besser auf The Dark Ride - und Derris kann singen, keine Frage - nur halt keine Kiske-Nummern.
Eternally - eine getragene Nummer mit dem Communic-Mann am Mikro, leicht balladesk, ein kleines Verschnäuferchen, grandios gesungen, ein ganz Großer, dieser Oddleif Stensland. Kam bei den ersten Durchläufen gar nicht an, der Song, aber er wächst jedes mal. Number four auf der Beliebtheitsskala.
Nochmal flotter wirds bei Inner Sanctuary - und zwar richtig. Ein sehr seltsames Hauptmotiv fräst sich in den Kopf, für immer und wenig, dieses seltsame Getrüdele - hört es auch an, ihr wisst, was ich meine. Der Refrain ist gut, keine frage, aber hängen bleibt dieses folkige Trideltrideltrideltriiiiedel - geiler Stoff.
Den Ausklang beschert uns Tarja Turunen - trotz des balladesken Intros kein Weichspüler, und das ist auch gut so. Die gemäßigte Nummer ist es trotzdem, keine Frage. Übrigens wieder ein Überbleibsel von Mind Odyssey. Grandios gesungen, Tarjas Facettenreichtum kann ihr keiner nehmen, da hat sie sich auf der Oceanborn und Wishmaster unter Wert verkauft. Sehr guter Song.
Diese Scheibe ist eine klasse Art, Geburtstag zu feiern, keine Frage, zumal das Niveau erstaunlich hoch ist, kein durchschnittlicher Song und einige Ausbrüche nach ganz Oben. Wer auch mit nur einer Hauptband der Betroffenen was anfangen kann muss die CD hören! Dem ganzen (nettes Cover auch!) liegt auch noch eine Bonus-CD mit teilweise raren Songs anderer Blast-Bands bei, lohnt echt!
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