Konzert-Reviews
Interviews
Visions
Tourdaten
Metal-Videos



2007
AFM Records
Melodic-Metal-Gourmets dürfte der Name LION’S SHARE genüsslich auf der Zunge zergehen, besonders deren formidables drittes Album “Fall From Grace” (1999) gehört zu den Klassikern des Genres. Manch einer hatte die Band wohl bereits in den Ewigen Jagdgründen vermutet, schließlich gab es nach dem etwas schwächeren “Entrance” (2001) so gut wie keine Lebenszeichen mehr von der Truppe um Gitarrist und Mastermind Lars “Chriss” Christmansson. Doch nun sind LION’S SHARE mit einer neuen Platte namens “Emotional coma” wieder da und haben einen Bärenhunger auf eine extragroße Portion Metal. Okay, eigentlich müsste man sagen, Lars Chriss ist wieder da, denn sein Mitstreiter hat er gegenüber dem sechs Jahre zurück liegenden Vorgänger komplett ausgetauscht. Am Bass ersetzte Sampo Axelsson den guten Pontus Egberg, der ja bekanntlich inzwischen mit den Poodles lustigen Schlager-Metal spielt. Ein ganz großer Wurf ist Lars bei der Besetzung des Sängerpostens gelungen. Das Mikro schwingt hier kein Geringerer als der göttliche Patrik Johansson, dem die Melodic-Metal-Gemeinde seit seinen fantastischen Leistungen mit Wuthering Heights, Space Odyssey und vor allem Astral Doors geschlossen zu Füßen liegt.
Auch musikalisch hat sich einiges verändert im Hause LION’S SHARE. Die Songs sind kompakter und härter geworden, die satten Riffs mit durchaus modernem Einschlag krachen ordentlich im Gebälk und die Rhythmusgruppe macht ordentlich Druck. Massive Chöre, Keyboards und progressive Anklängen sind so gut wie ganz verschwunden aus dem Klangbild, auf “Emotional coma” zählen nur noch die von Ballast befreiten, authentisch-natürlichen Songs mit mächtigen, brummend groovenden Riffs, melodischen Strophen mit Biss und Spannung und ebenso einfachen wie effektiven Widerhaken-Hooklines. Patrik Johansson pflegt einen etwas aggressiveren Gesangsstil, als man es von seinen anderen Bands gewohnt ist, was ihm auch sehr gut zu Gesicht steht. Seine stimmliche Nähe zu Ronnie James Dio und Tony Martin ist trotzdem und glücklicherweise auch hier unverkennbar.
Der Einstieg in das neue Album gelingt mit dem exzellenten Eröffnungstrio ‘Cult of denial’, ‘The arsonist’ und ‘Emotional coma’ ganz hervorragend. Letzterer Titelsong erinnert ein wenig an die Solo-Werke von Jorn Lande, was durchaus als Kompliment zu verstehen ist. Die Uptempo-Power-Metal-Nummern ‘Clones of fate’ und ‘Toxication rave’ sind dagegen etwas gewöhnlich geraten, auch wenn es schon beachtlich ist, wie LION’S SHARE hier melodie- und härtetechnisch bis in Metal Church-Regionen verstoßen. Songs wie ‘The edge of the razor’ und ‘Trafficking’ im Mittelteil der Scheibe leben überwiegend von ihren grandiosen Refrains. So richtig geil wird es dann erst wieder mit dem Midtempo-Stampfer ‘Bloodstained soil’ und der fantastischen, höchst eingängigen Edelstahl-Hymne ‘Soultaker’, die eigentlich jedes reine Metaller-Herz höher schlagen lassen müssten. ‘Hatred’s my fuel’ knüpft nahtlos an die ersten drei Nummern an und sorgt noch einmal für heftige Rotationen der Nackenwirbel. Abgerundet wird “Emotional coma” durch eine sehr gelungene Cover-Version des Angel Witch-Überklassikers ‘Sorcerers’, bei dem Patrik noch einmal zur Höchstform aufläuft.
Summa summarum also ein tolles Comeback von LION’S SHARE mit modernisiertem Sound und jeder Menge großartiger Songs. “Emotional coma” sollte für Fans zwischen Melodic und Power Metal ein gefundenes Fressen darstellen und kann mit den letzten Outputs ähnlich gelagerter Acts wie Dream Evil oder Firewind locker mithalten. Zögert also nicht und besorgt euch ein Exemplar dieses zudem hervorragend produzierten Albums! Daumen hoch für LION’S SHARE!!
Rating: 



