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KORPIKLAANI - Tervaskanto

2007 Napalm Records
11 Tracks (42:36)

Da ist er ja wieder, “Der Clan des Waldes”, so KORPIKLAANI übersetzt. Kein Jahr nach ihrem letzten Album „Tales Along This Road“ präsentieren uns die Schamanen um Frontsau Jonne Järvelä ihr neues Schaffenswerk.

Und in den letzten 10 Monaten waren die Jungs richtig kreativ. Erneut schaffen sie es, Folkmetal zu kreieren, wie er ursprünglicher nicht sein könnte. An manchen stellen könnte man schwören, dass diese Scheibe im Wald aufgenommen wurde, so nativ kommen Sound, Atmosphäre und Stimmung rüber.

Das macht auch schon der Opener mit dem passenden Titel „Let´s Drink“ klar. Der Track ist nichts anderes als ein richtiger Partykracher, der einfach nur gute Laune macht und natürlich die Trinkfreude hebt. Durchaus gelungen eben. Keinen Deut langsamer kommt der Titeltrack „Tervaskanto“ angerauscht. Die Nummer heißt wörtlich übersetzt „Alter Mann“, hinterlässt aber nicht den Eindruck, dass es sich hier um einen alten Mann drehen soll. Beim Chorus scheint es, als hätten IN EXTREMO höchst persönlich ein paar Zeilen geschrieben. Ein wenig Humpa kann man sich mit „Viima“ geben. So stelle ich mir ein finnisches Saufgelage vor. Alle Finnen stimmen ein und ziehen sich einen Finlandia nach dem anderen rein. Mit „Veriset Äpärät“ wird es richtig metallisch. Die Klampfen schreiten Hand in Hand (wenn so was möglich ist) mit dem Akkordeon zu Tate. Die Uptempo-Nummer macht ebenfalls richtig Laune, geht sofort in den Nacken und animiert zum mitgrölen. Das ruhig beginnende „Running With Wolves“ geht ziemlich schnell in eine High-speed-Nummer über, die sich gewaschen hat. Das Instrumental bekommt dadurch einen besonderen Reiz, da hier ganz ohne Gesang gezeigt wird, wie die Instrumente Akkordeon, Geigen und Flöten mit brachialen Gitarrenklängen harmonieren können. Ach, welch Potential Volksmusik doch in sich verbirgt…da kann sich so manche Combo eine Scheibe von abschneiden.
Wie nah Finnland und Russland kulturell zusammengehören zeigt “Liekkiön Isku“ auf. Der Song, der sich ziemlich russisch anhört, beherbergt zusätzlich ein paar Country-Elemente. Interessante Nummer. „Palovana“ steht dem in nichts nach. Der Song rockt, bietet einen klasse Chorus und natürlich wieder ein starkes Zusammenspiel der Instrumentalisten. Und den Soundtrack zu „Ronja, die Räubertochter“ beinhaltet „Karhunkaatolaulu“, was soviel wie „Der Song zur Bärenjagd“ heißen soll. Und mit dieser Mucke kann man Bären garantiert lange jagen, gibt er doch auch musikalisch die Absicht zur Jagd wieder. Lustiger Track. „Misty Fields“ ist ein richtiger Dampfhammer, der sich schnell stampfend durch die dunklen Wälder Finnlands schlägt. Ich bekomme auf einmal richtig Lust zum Eisfischen, uns das im Sommer!?!?! Etwas langatmig ist „Vesilahden Veräjillä“ geworden, hier ist weniger eigentlich mehr. Kein schlechter Song, dennoch mit knapp sieben Minuten etwas zu schwerfällig und zuviel des Guten. Da kommt „Nordic Feast“ mit einer Kürze von knapp drei Minuten schon entspannter daher. Zum Abschluss wird es noch mal feucht fröhlich, Spaß ist angesagt. Und eben dieser Zustand wird mit „Nordic Feast“ ganz tatkräftig zelebriert. Die simple Nummer geht in Nacken und Fuß und kann sogar für ein Scheunenfest im Hochsommer genutzt werden, ohne gleich die Nachbarn zu vergraulen. Klasse Abschluss eines klasse Albums.

Es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass KORPIKLAANI ruhig in einem Atemzug mit Bands wie VINTERSORG, ENSIFERUM oder EQUILIBRIUM genannt werden können. Vom Können her brauchen sie sich schon lange nicht mehr hinter den größeren Acts zu verstecken, soviel steht fest. Doch auch von der musikalischen Güte, von der Abwechslung und vom Spaßfaktor her, spielt diese Band schon in der ersten Liga. Mit „Tervaskanto“ ist den Jungs ein großer Schritt nach vorne gelungen. Mehr davon bitte!

Rating: ★★★★½

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