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2008
Freudig erregt habe ich eine CD mit dem Titel “No Alibi” von einer Band namens KING’S CALL in den Player geworfen, denn der Waschzettel der Plattenfirma versprach mir eine Mischung aus anbetungswürdigen Großartigkeiten wie THIN LIZZY, LED ZEPPELIN und GARY MOORE. So eine zumindest potentiell edle klangliche Kombination, die man jenseits des Großen Teiches als Classic (Heavy) Rock bezeichnet, hört ein mittelalter Sack wie ich doch immer mal wieder gerne, zumal hier mit Bandleader Alex Garoufalidis ein erfahrener Hase am Werk ist und das Ganze von keinem Geringeren als Chris Tsangarides produziert wurde. Schon auf dem ersten Rundgang durch die Welt von “No Alibi” stellen sich dann sehr gemischte Gefühle ein. Es ist schon so, dass die Stilbeschreibung den Nagel recht gut auf den Kopf trifft, auch wenn ich noch ein fett gedrucktes BRYAN ADAMS dazu setzen würde. Die zehn gut abgehangenen, routiniert eingespielten Nummern mit entspannter Gitarrenarbeit und schönen Hooklines sind folglich auch zunächst mal ganz gut dazu geeignet, um nach einem harten Tag gemütlich den Feierabend einzuleiten. Die Kehrseite der Medaille ist, dass “No Alibi” jegliche Durchschlagskraft und Frische fehlt. Die Scheibe klingt einfach an allen Ecken und Enden danach, dass hier tendenziell müde, alte Männer am Werke sind. Dabei bedient sogar eine junge Dame den Bass…!
Von hardrockiger Bissigkeit, draufgängerischer Verwegenheit oder gar Schmutzresten unter den Fingernägeln ist hier jedenfalls keine Spur mehr. Die Lady & Gentlemen spielen einfach locker und professionell ihr Programm runter. Das entlockt mir allenfalls ein anerkennendes Kopfnicken, echte Begeisterung kann da beim besten Willen nicht aufkommen. Ich könnte nicht mal einen der Songs herausheben, sie alle ähneln sich frappierend in freundlich-harmloser Gefälligkeit. Zudem ist der Sound auch noch erschreckend dünn und matt ausgefallen, da sind wir von Mister Tsangarides doch anderes gewohnt. Wirklich schlecht sind KING’S CALL ganz bestimmt nicht, und man darf getrost glauben, dass Alex Garoufalidis wohl genau diese Art von Platte machen wollte. Das ändert aber nichts daran, dass man mit einer solchen Performance höchstens auf Thomas Gottschalks Oldie-Bühne gehört. Ich denke, ich werde die CD meinem Vater schenken…
Rating: 



