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Valery Records
2007
Wenn Musiker versuchen, über den Tellerrand ihres Genres hinaus zu blicken, kann das Ergebnis sehr erfrischend und berührend sein. Manchmal scheitert das Vorhaben aber auch an mangelnder Fantasie oder an unsauberer Umsetzung. Die bekanntesten Musiker im Line-Up der italienischen Formation FEAR OF FOURS sind Eldritch-Frontmann Terence Holler und Gitarrist Andrea Martingelli (Powerquest, Arthemis). Ihre Mitstreiter verdienten sich ihre Sporen unter anderem in Bands wie Mothercare und White Skull. Dieser bunte Haufen hat sich mit FEAR OF FOURS wahrlich eine Menge vorgenommen. Auf dem Programm des ersten abendfüllenden Werkes mit dem programmatischen Titel “Never heaven” steht eine zugegebenermaßen tatsächlich originelle Mischung aus klassischem Prog-Rock, rohem, düsterem Metal, balladesken Momenten und viel exotischem Flair. Letzteres wird zum Beispiel hervorgerufen durch Flamenco-Elementen wie in ‘Edge of insanity’ oder durch orientalisch anmutende Percussions in ‘The tunnel’. Starker Tobak, das Ganze, und sicher nicht für jedermann geeignet.
Zu Beginn dieser CD funktioniert der von FEAR OF FOURS zusammen gebastelte musikalische Transformer am besten. Das schöne Piano-Intro von ‘Craving for light’ leitet in eine harte, treibende Prog Metal-Nummer mit guten Melodien und interessanten Wechseln im Gesangsstil über. Das bereits erwähnte ‘Edge of sanity’ ist für mich der kreative Höhepunkt von “Never heaven”. Flamenco-Gitarren und verspielte Arrangements werden kontrastiert von Melodic Death-Elementen und einer Melodieführung in der Strophe, die stark an symphonischen Black Metal erinnert. ‘Blind’ spannt den Bogen dann noch weiter, hier werden melancholisch hingetupfte, ruhige Parts mit geflüsterten Vocals von ultrafiesen Death/Thrash-Riffs und viehischem Gegrunze in bester Massacre-Tradition platt gemacht. Doch danach fängt dem Album auch leider schon an die Luft auszugehen. Die Akustikgitarren-Nummer ‘Home’ entpuppt sich bereits als lauwarmer Langweiler. In ‘Carved’ kommt mit den spanisch anmutenden Gitarren noch einmal die Spannung zurück. Die dichten, intensiven Gitarrenwänden, der bedrohlich donnernde Groove und die feinsinnig ausbalancierte Laut/Leise-Dynamik machen diesen Song zu einem klaren Gewinner. Der Rest der Scheibe begeistert mich dann allerdings nicht mehr, hier fehlen mir die zündenden Ideen, zudem fangen die Melodien und Songaufbauten an sich zu ähneln. Geradezu fatal finde ich es, mit einer stilistisch zwar schön vielseitigen, kompositorisch aber völlig belanglosen Nummer aufzuhören und diese auch noch zum Titelsong zu machen.
Somit ist “Never heaven” ein zwiespältige Angelegenheit. Vier sehr guten bis exzellenten Songs stehen fünf nicht wirklich zu Ende gedachte, missratene bis allerhöchstens ordentliche, aber irgendwie auch mutige Nummern gegenüber. Leider gibt es auch noch einige technische Mängel zu beklagen. So ist Terence Holler auf diesem Album meilenweit von seiner Bestform entfernt, manche Passagen klingen geradezu schief. Außerdem ist das Mixing ziemlich in die Hose gegangen, die Metal-Gitarren sind bezogen auf das Anliegen dieser Truppe zu laut und Feinheiten wie die Percussions wurden zu weit in den Hintergrund gemischt. Eine Kaufempfehlung kann ich für “Never heaven” daher nicht wirklich aussprechen. Dennoch bekommen FEAR OF FOURS einen Bonuszähler von mir mit für die Courage und die Neugierde, die es braucht, um ein so unkonventionelles Album zu machen. Könnte mir gut vorstellen, dass das nächste Album – so es denn eins geben wird – schon viel reifer, runder und konstanter klingt.
Rating: 



