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Pure Steel Records
2008
Verwirrenderweise gibt es allein vier amerikanische Bands, die auf den Namen ENCHANTER hören. Da hätten wir zunächst einmal eine Thrash-Combo aus Illinois, die 1989 ein cooles Demo-Tape veröffentlichte. Dann gab es noch die kultigen Speed-Metaller aus Missouri, die ebenfalls in den späten Achtzigern ihr Unwesen trieben. Zu derselben Zeit existierte in Michigan eine Power-Metal-Truppe, die sich später in LONGINGS PAST umbenannte, und deren durchaus hörenswerte zwei Demo-Tapes soeben unter dem Titel “Defenders of the realm” bei Arkeyn Steel Records auf einer CD wieder veröffentlicht wurden. Tja, und dann hätten wir da noch diese ENCHANTER hier, die 1991 unter Federführung von Drummer Ray Perron und Gitarrist John Chouinard irgendwo in New England das Licht der Welt erblickten. Diese grandiose Band sollte wirklich jeder Anhänger origineller, episch-kauziger Old-School-Metal-Klänge kennen und lieben lernen. Wenn ich jetzt sage, dass das Quartett als Einflüsse Legenden wie CIRITH UNGOL, BROCAS HELM, MANILLA ROAD, WARLORD und OMEN angibt, wissen Genre-Aficionados natürlich sofort Bescheid, woher der Wind weht.
Pure Steel Records haben hier ein echtes Juwel für euch ausgegraben, denn ENCHANTER orientieren sich nicht nur stilistisch an den genannten großen Helden, sondern können es auch qualitativ problemlos mit ihnen aufnehmen. Die Jungs verstehen es auf beeindruckende Weise, äußerst stimmungsvolle, wunderbar flüssige, eigenständige und schlichtweg großartige Songs zu komponieren, die berühren, unter die Haut gehen und ein wahrhaft magisches Flair besitzen. Sie beweisen mit entwaffnender Klarheit und fesselnder musikalischer Kraft, wie kreativ, abwechslungsreich und emotional Heavy Metal sein kann, wenn er nicht rundgeschliffen, glatt gebügelt und mit einer ach so tollen, aber charakterlosen Einheitsproduktion versehen wird, sondern wenn er wirklich lebt, atmet, charismatische Geschichten erzählt und sich seine klangliche Individualität bewahrt hat. Für mich ist dieser Release jedenfalls ein wahrer, zugegebenermaßen etwas nostalgischer Hochgenuss, dem ich mich nur allzu gerne wieder und wieder hingebe.
Jetzt muss ich natürlich noch ein paar Worte zur Geschichte des vorliegenden Releases sagen, bevor ich mich hier in meiner eigenen Schwärmerei verliere. Diese CD enthält zunächst einmal das bereits 2002 eingespielte, aber bisher unveröffentlichte eigentliche Debüt-Album von ENCHANTER namens “Secrets Vol. 1″. Dieses wunderbare Werk enthält treibende, schnurrende Hardrocker wie ‘The limit’ und ‘The music’, getragene, mystische Nummern wie ‘Take me away’ und ‘Good boy’ sowie schwebende, in den Siebzigern verwurzelte Hymnen wie ‘Me’. Als Zugabe gibt es danach die sieben fantastischen Tracks der Eigenpressung “Symbols in stone” aus dem Jahre 2001, die noch weniger nachdenklich und melancholisch sind, dafür aber eine deutlich stärkere True-Metal-Schlagseite haben. Der Opener ‘Atlantis’ gehört für mich zu den besten Epic-Metal-Songs aller Zeiten. Das majestätische ‘Dark rider’ und das progressive ‘Shadows’ fallen ebenfalls in die Kategorie Geniestreich, und werden MANILLA ROAD-Anhänger in Ekstase versetzen. Die erhabene Schlachten-Hymne ‘Norse trilogy’ bewegt sich mit atemberaubender Schönheit in Gefilden, in die sonst nur noch DOOMSWORD vordringen. Das äußerst kreative Instrumental ‘The dragon’ schlägt die Brücke zur ergreifenden Halb-Ballade ‘Two stealthed hearts’, bevor es mit ‘Isle of Avalon’ noch einmal glanzvollen US-Epic-Metal zu bestaunen gibt.
Liebhaber aller in dieser Lobpreisung erwähnten Bands sollten keine Sekunde mehr zögern und sich ein Exemplar von “Secrets Vol. 1 – Symbols in stone” besorgen. Hinweg mit der kalten Perfektion, Charakter und Ausstrahlung sind doch im Grunde alles, möchte man ausrufen. Ja, ich liebe diese Musik, ich liebe dieses im besten Sinne des Wortes zeitlose Album und danke den Metal-Göttern für dieses traumhafte Geschenk. Zumindest alle KIT-Besucher dürfen dieses Meisterwerk nicht verpassen.
Rating: 



