

AFM Records
2008
Hell, yeah, die coolen Tequila-Metaller DEZPERADOZ sind wieder da! Diese lustige Truppe um Frontmann Alex Kraft, der sich zunächst als Gitarrist und Produzent von Tom Angelripper einen Namen machte, hat mit “An eye for an eye” ihr drittes Album am Start. Irgendwie muss man eine Band schon mögen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, raue Metal-Klänge mit der Musik aus den kultigen 60er- und 70er-Spaghetti-Western zu verbinden. Äußerst unterhaltsam war dieses Gebräu ja schon auf den Vorgängern “The dawn of dying” (2000) und “The legend and the truth” (2006). Alex hat sich für den neuen Longplayer ein loses textliches Konzept ausgedacht, das sich mit der allzu oft gepredigten Gewalt im Namen Gottes auseinander setzt. Natürlich spielt das Ganze vor einer Kulisse, die an das späte 19. Jahrhundert und den Mythos des Mittleren Westens angelehnt ist.
Das aktuelle Material mundet dann auch auf Anhieb ziemlich gut, schwere Riffs und eine druckvolle Rhythmus-Sektion treiben die Songs voran, höchst eingängige Melodien verleihen ihnen Charakter. Der Rock’n'Roll-Arschtritt-Faktor des Openers ‘Hate’ ist beträchtlich, während das pathetisch-hymnische ‘Days of thunder’ zum ersten Mal großes Italo-Western-Kino vor dem inneren Auge entstehen lässt – bestimmt ein ordentlicher Party-Kracher. Irgendwie kommt mir nur die Bridge bekannt vor, weiss aber nicht woher. Nach diesem exquisiten Einstieg in die Platte wechseln sich in der Folge exzellente mit ganz ordentlichen Songs ab. ‘Wild times’ zum Beispiel ist ein kleiner Hit. Beim DOORS-Cover ‘Riders on the storm’ macht vor allem Alex als Sänger eine sehr gute Figur. Nicht so viel anfangen kann ich dagegen mit einem recht flachen Stampfer wie ‘Here comes the pain’, bei dem Meister Angelripper auch noch mal mitkrächzen darf. Die Ballade ‘Give up’ ist auch nicht wirklich aufregend. Solche Songs sind es dann auch, die zwischen DEZPERADOZ und einer noch besseren Gesamtwertung stehen.
Richtig geil wird es dann aber wieder mit den ziemlich Ozzy-lastigen Midtempo-Nummern ‘May heaven strike me down’ und ‘When the circus comes to town’ (herrlich morbider Chorus!), sowie dem prachtvollen Johnny Cash-Cover ‘25 minutes to go’ (Ich liebe diesen Song!). Insgesamt machen DEZPERADOZ auch auf “An eye for an eye” den allerbesten Eindruck, wenn sie richtig schön heavy und böse agieren oder eben ihr Italo-Western-Ding voll ausreizen. Mir fehlt hier manchmal noch ein bisschen die Abwechslung, die eine oder andere schnellere Nummer hätte dieser Platte vielleicht auch ganz gut getan. Das Genörgel soll allerdings nicht darüber hinweg täuschen, dass wir es hier mit einer hochklassigen Metal-Scheibe mit zahlreichen Killer-Songs zu tun haben, die man auf jeden Fall mal antesten sollte.
Rating: 



